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Ziel der Ausstellung und ihres Kataloges
"Die Malerei kann man
nicht lehren, dem die Natur es nicht gab". Diese Theorie
Leonardos erinnert an das alte Sprichwort: "Man kann die Malerei
lehren, aber nicht die Kunst".
Wenn es
wirklich so schwierig ist, die Kunst zu lehren, muss es genau so
schwierig sein, sie zu verstehen und zu schätzen. Man bräuchte also
ein Genie, das diese schwere Aufgabe in Angriff nehmen kann, und
niemand anderer als Leonardo da Vinci besitzt dafür alle notwendigen
Vorraussetzungen. Er ist nicht nur ein großartiger Maler - drei
seiner Werke reihen sich unter den zehn berühmtesten Gemälden der
Welt ein: das letzte Abendmahl, die Madonna in der Felsengrotte, die
Mona Lisa - nein, er selbst sah sich in erster Linie als
Wissenschaftler und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens nicht
mit Malen, sondern mit Beobachten, Studieren und Entwerfen.
Während er seinen verschiedenen Tätigkeiten in Mailand nachkam,
wurde er sich schon als Dreißigjähriger der Notwendigkeit bewusst,
seine Aufzeichnungen in einem Buch zusammenzufassen.
Diesel Buch ist jedoch nie entstanden, auch wegen einer seiner
Haupteigenschaften, die Vasari wie folgt beschreibt:
"Leonardo
begann vieles und brachte nichts zu Ende".
Zu breit gestreut war sein Interessengebiet, um sich ganz einem
einzigen Werk widmen zu wollen.
Beispiele
für diese Besonderheit ergeben sich aus der einzigen wichtigen
Skulptur, mit der er je beauftragt wurde, dem Herzog Francesco
Sforza zu Pferde, von Leonardo mit zahlreichen Studien geplant, aber
nie verwirklicht, sowie aus großen Gemälden, die entweder
unvollständig blieben oder von anderen zu Ende geführt wurden.
Leider zeichnete Leonardo seine Gedanken auf einzelnen Blättern auf,
mit wenig Worten in einem nicht immer verständlichen Code
geschrieben, wo jedes Thema verschiedentlich entfaltet oder
wiederholt wurde.
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Gegen Ende seines Lebens
wurde er sich in Paris der Unmöglichkeit bewusst, die tausende von
Zetteln zu sammeln und zu ordnen und entschied sich, alles seinem
Freund und Schüler Francesco Melzi zu schenken.
Seitdem haben viele Gelehrte den Versuch unternommen, die einzelnen
Notizen auszuwählen, zu nummerieren und, wo möglich, mit den
Zeichnungen des Meisters zu veranschaulichen, wodurch der "Traktat
von der Malerei" entstand. Dieses Buch, das eigentlich ein
"Bestseller" sein müsste, wird jedoch seit jeher wegen seiner
schweren Lesbarkeit wenig verstanden und konsultiert.
Die Matthaes-Stiftung hat
sich vorgenommen, den "Traktat" zugänglicher zu machen. Es werden
ausschließlich die Worte der Originaltexte verwendet, ohne
Kommentare oder Änderungen der Gedanken des Meisters. Die Themen
werden lediglich geordnet, zu lange Texte gekürzt, zahlreiche
Wiederholungen vermieden und die bedeutendsten Konzepte
veranschaulicht.
Der
vorliegende Katalog möchte kein Extrakt des "Traktats" sein. Er ist
eine Auswahl, die mit der Absicht getroffen wurde, jene e Gedanken
Leonardos auszuwählen, die es dem Betrachter eines Gemäldes oder
einer Skulptur ermöglichen, das Werk nach einer soliden Vorbereitung
durch einen großen Meister zu betrachten.
Die Wahl der ausgestellten Gegenstände
Von Leonardo da Vinci sind sehr viele Zeichnungen bekannt und die
Ausstellung baut diese intensiv in die Texte ein. Gemälde hat er
jedoch wenige geschaffen, etwa 15 insgesamt, und von seinen
Skulpturen ist nicht eine einzige bekannt. Es ist also unmöglich, im
Rahmen der Ausstellung seine Werke zu zeigen. Im Traktat formuliert
Leonardo seine Gedanken ohne direkt auf Stile, Kulturen und
historisch-künstlerische Epochen Bezug zu nehmen, was die
Möglichkeit bietet, diejenigen Objekte auszuwählen, die die
einzelnen Artikel am besten und dem klassischen Kunstverständnis
seiner Epoche am nährsten veranschaulichen. Die Nummerierung der
Themen entspricht der italienischen Ausgabe von Neri Pozza. |
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