www.LeonardoTeacherofPaintinginMilan.com        last update:16/04/2008

 

"Die Kunst verstehen mit den Augen Leonardos"

veröffentlicht und vorgestellt in einer Dauerausstellung vom Museo d'Arte e Scienza nach dem
Leonardo da Vinci's Traktat von der Malerei  

 

Diese seit langem erwartete gekürzte und leicht verständliche Ausgabe mit 158 Seiten und 160 künstlerischen Farbfotos erschien im Jahre 2003 aus Anlass der Leonardo-Ausstellungen im Mailänder Museum.
Die bisherigen Ausgaben in verschiedenen europäischen Sprachen hätten aufgrund ihrer enormen Bedeutung für die Kunst ein Bestseller werden können. Die Kompliziertheit der langen Texte und die unzähligen Wiederholungen der gleichen Gedanken verhinderten jedoch die Verbreitung und gebührliche Würdigung.
Dieses Buch wählt aus den Tausenden von Artikeln diejenigen aus, die für das Kunstverständnis bedeutungsvoll sind; es wurde mit den zugehörigen Zeichnungen Leonardos, Farbfotos seine Gemälde und hochwertigen, seine Gedanken erläuternden Kunstobjekten illustriert. Die Texte verwenden ausschließlich die Worte Leonardos.

Das Buch ist im Museum oder per Post für € 20,00
in Italienisch und Englisch erhältlich.
Deutsche Ausgabe in Vorbereitung
.
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bitte hier clicken

 

 

Die G. Matthaes-Stiftung

 Die Geschichte der Stiftung beginnt Anfang des letzten Jahrhunderts in Dresden, einem Zentrum der modernen europäischen Kunst, wo die Familien Matthaes und Kurau 1906 eine Malschule eröffneten.

Die Suche nach neuen Inspirierungen seitens der Künstler dieser Zeit erklärt die Größe und Qualität einiger didaktischer Sammlungen, wie der griechisch­römischen Keramik, die vom italienischen Ministerium für Kulturgüter als von außerordentlichem kunsthistorischem Interesse erklärt wurde, und die Sammlungen afrikanischer sowie asiatischer Kunst. Die Abwanderung der Künstler von Dresden nach Berlin brachte die Schule dazu, 1917 nach Berlin zu ziehen, wo ihre Aufgaben, hauptsächlich in Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen, gut dokumentiert sind (z.B. die Dekorationen der großen Mauern des bekannten archäologischen Museums Pergamon" 1931). Nach dem Tod der Gründer in den dreißiger Jahren wurde die Schule geschlossen, während die Sammlungen erhalten blieben.

In den siebziger Jahren nahm die Familie Matthaes ihre didaktische Tätigkeit wieder auf, veröffentlichte einen Teil der Sammlungen und stellte sie 1990 in Mailand in einem eigenes dafür gegründeten Lehrmuseum, dem "Museo del Collezionista d'Arte" aus. Die Gründung modernen wissenschaftlicher Laboren zur Echtheitserkennung und der Erforschung diesbezüglicher Methoden, sowie die Einbeziehung neuer Gebiete zur Kunstbeurteilung auf objektiver Basis, führte Anfang 2004 zu einem neuen Namen:
"Museo d’Arte e Scienza" .

 

 

Ein herzliches Dankeschön meinen Kindern Patrizia und Peter sowie
Silvia Vaschetto, ohne deren Hilfe dieser Katalog nicht entstanden wäre.

 
 

 

 

 

Stiftung Gottfried Matthaes
Via Quintino Sella 4, 20121 Milano

 

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"Vielleicht gibt es auf der Welt kein anderes Beispiel für eine so große kreative Begabung, so unfähig sich zufrieden zu geben ständig auf die Ewigkeit ausgerichtet von der Natur so hoch ausgezeichnet und seinem Jahrhundert wie den kommenden so weit voraus."

(Hippolyte Taine)

 

 

Der Eingang zu den Ausstellungssälen

 

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Gottfried Matthaes

 

Die Kunst verstehen mit
den Augen Leonardos

 

 

 

 

Nach den Übersetzungen von Heinrich Ludwig (um 1880)
des Originaltextes des "Traktats von der Malerei"

 

Eine Dauerausstellung in Mailand

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Ziel der Ausstellung  und ihres Kataloges

"Die Malerei kann man nicht lehren, dem die Natur es nicht gab". Diese Theorie Leonardos erinnert an das alte Sprichwort: "Man kann die Malerei lehren, aber nicht die Kunst".

Wenn es wirklich so schwierig ist, die Kunst zu lehren, muss es genau so schwierig sein, sie zu verstehen und zu schätzen. Man bräuchte also ein Genie, das diese schwere Aufgabe in Angriff nehmen kann, und niemand anderer als Leonardo da Vinci besitzt dafür alle notwendigen Vorraussetzungen. Er ist nicht nur ein großartiger Maler - drei seiner Werke reihen sich unter den zehn berühmtesten Gemälden der Welt ein: das letzte Abendmahl, die Madonna in der Felsengrotte, die Mona Lisa - nein, er selbst sah sich in erster Linie als Wissenschaftler und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens nicht mit Malen, sondern mit Beobachten, Studieren und Entwerfen.
Während er seinen verschiedenen Tätigkeiten in Mailand nachkam, wurde er sich schon als Dreißigjähriger der Notwendigkeit bewusst, seine Aufzeichnungen in einem Buch zusammenzufassen.
Diesel Buch ist jedoch nie entstanden, auch wegen einer seiner Haupteigenschaften, die Vasari wie folgt beschreibt:

"Leonardo begann vieles und brachte nichts zu Ende".

Zu breit gestreut war sein Interessengebiet, um sich ganz einem einzigen Werk widmen zu wollen.

Beispiele für diese Besonderheit ergeben sich aus der einzigen wichtigen Skulptur, mit der er je beauftragt wurde, dem Herzog Francesco Sforza zu Pferde, von Leonardo mit zahlreichen Studien geplant, aber nie verwirklicht, sowie aus großen Gemälden, die entweder unvollständig blieben oder von anderen zu Ende geführt wurden.
Leider zeichnete Leonardo seine Gedanken auf einzelnen Blättern auf, mit wenig Worten in einem nicht immer verständlichen Code geschrieben, wo jedes Thema verschiedentlich entfaltet oder wiederholt wurde.

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Gegen Ende seines Lebens wurde er sich in Paris der Unmöglichkeit bewusst, die tausende von Zetteln zu sammeln und zu ordnen und entschied sich, alles seinem Freund und Schüler Francesco Melzi zu schenken.
Seitdem haben viele Gelehrte den Versuch unternommen, die einzelnen Notizen auszuwählen, zu nummerieren und, wo möglich, mit den Zeichnungen des Meisters zu veranschaulichen, wodurch der "Traktat von der Malerei" entstand. Dieses Buch, das eigentlich ein "Bestseller" sein müsste, wird jedoch seit jeher wegen seiner schweren Lesbarkeit wenig verstanden und konsultiert.

Die Matthaes-Stiftung hat sich vorgenommen, den "Traktat" zugänglicher zu machen. Es werden ausschließlich die Worte der Originaltexte verwendet, ohne Kommentare oder Änderungen der Gedanken des Meisters. Die Themen werden lediglich geordnet, zu lange Texte gekürzt, zahlreiche Wiederholungen vermieden und die bedeutendsten Konzepte veranschaulicht.

Der vorliegende Katalog möchte kein Extrakt des "Traktats" sein. Er ist eine Auswahl, die mit der Absicht getroffen wurde, jene e Gedanken Leonardos auszuwählen, die es dem Betrachter eines Gemäldes oder einer Skulptur ermöglichen, das Werk nach einer soliden Vorbereitung durch einen großen Meister zu betrachten.
 

Die Wahl der ausgestellten Gegenstände

Von Leonardo da Vinci sind sehr viele Zeichnungen bekannt und die Ausstellung baut diese intensiv in die Texte ein. Gemälde hat er jedoch wenige geschaffen, etwa 15 insgesamt, und von seinen Skulpturen ist nicht eine einzige bekannt. Es ist also unmöglich, im Rahmen der Ausstellung seine Werke zu zeigen. Im Traktat formuliert Leonardo seine Gedanken ohne direkt auf Stile, Kulturen und historisch-künstlerische Epochen Bezug zu nehmen, was die Möglichkeit bietet, diejenigen Objekte auszuwählen, die die einzelnen Artikel am besten und dem klassischen Kunstverständnis seiner Epoche am nährsten veranschaulichen. Die Nummerierung der Themen entspricht der italienischen Ausgabe von Neri Pozza.

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Die Wahl des Ausstellungsortes

Die Ausstellung befindet sich im Palazzo Bonacossa, Sitz der Matthaes-Stiftung und ihres „Museo del Collezionista d'Arte", wenige Meter vom Castello Sforzesco entfernt, un dessen Hof Leonardo da Vinci die aktivsten und bedeutendsten Jahre seines Lebens verbrachte (1482-1499 / 15o6-1513).

Palazzo Bonacossa in Via Quintino Sella 4, Mailand.
Im Hintergrund das Castello Sforzesco

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VORWORT

Anmerkung zum Verständnis des Traktats

Der Traktat von der Malerei beginnt mit dem bedeutungsvollen Kapitel:

Art. 1  Ob die Malerei Wissenschaft ist oder nicht

Diese Klarstellung unterstreicht, dass Leonardo sich selbst in erster Linie als Wissenschczftle7, betrachtete ("Wissenschaft", wie sie in der Renaissance verstanden wurde).

Bedeutend sind auch die Artikel 31 und 34:

Art. 34 Da ich mich nicht minder in der Skulptur als in der Malerei betätige

und beide in gleichem Mal  ausübe, so scheint mir, ich könne ohne Vorwurf großer Anmaßung ein Urteil abgeben, welcher von beiden mehr Genie, Schwierigkeit und Vollkommenheit eigen sei ...

Art. 31 Die Bildhauerei ist keine Wissenschaft, sondern eine höchst handwerksmäßige Kunst;

denn sie verschafft dem, der sie ausübt, Schweiß und körperliche Mühe. Auch genügen einem solchen Künstler die einfachen Maßen der Glieder und die Natur der Bewegungen und Stellungen, und zeigt am Ende dem Auge das was es ist ...

Art. 34 ... Aber die Malerei ist von wunderbarer Kunstfertigkeit subtilster Spekulationen...

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Art. 32
Unterschied zwischen der Malerei und der Bildhauerei

Zwischen der Malerei und der Bildhauerei finde ich keinen anderen Unterschied, als den: der Bildhauer führt seine Werke mit größerer Körperanstrengung aus als der Maler, und dieser die seinigen mit größerer Anstrengung des Geistes. Dass dem so sei, ist erwiesen; denn bei der Arbeit an seinem Werk hat der Bildhauer mit Armkraft und Hammerschlägen den Marmor, oder sonstigen überflüssigen Stein zunichte zu machen, der über die Figur, die in ihm eingeschlossen ist, hervorragt; das ist ein sehr mechanisches Geschäft und ist oft von großem Schweiß begleitet, der, mit Staub vermengt, zu Schlamm wird. Da hat er das Gesicht ganz beschmiert und mit Marmorstaub eingepudert ... und seine Behausung, die ist voll Steinsplitter und Staub.

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Art. 32

... Ganz das Gegenteil von alle diesem ist beim Maler der Fall, - wir sprechen hier nur von ausgezeichneten Malern sowohl als Bildhauern. Denn der Maler sitzt mit großer Bequemlichkeit vor seinem Werk, wohl gekleidet, und regt den ganz leichten Pinsel mit den anmutigen Farben. Mit Kleidern ist er geschmückt, wie es ihm gefällt. Und Seine Behausung, die ist voll heiterer Malereien und glänzend reinlich. Oft hat er Gesellschaft, von Musik, oder von Vorlesern verschiedener schöner Werke, und das wird ohne Hammergedröhn oder sonstigen Lärm mit großem Vergnügen angehört.






 

PAUL-PROSPER ALLAIS - Raffael  in der Werkstatt Leonardos
während der Porträtierung der Mona Lisa

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GUILLAM VAN HAECHT
Atelier des Apelles, der Kampaspe porträtiert

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Um seine Vorliebe für die Malerei zu erklären, die er mit kämpferischem Geist den gesamten Traktat hindurch unterstreicht, gibt es zahlreiche Gründe. Den nahe liegendsten bieten die Werke Leonardos selbst: einerseits wunderbare Gemälde und andererseits lange und leidvolle Anstrengungen, um eine einzige Statue von Francesco Sforza zu Pferde zu schaffen, die nie über die Gestaltung des Modells hinausgekommen ist.

Eine weitere Erklärung findet sich darin, dass er die Interessen der Maler schätzen wollte, die vor allem in Florenz gegenüber den Dichtern, Philosophen und Theologen als minderwertiger angesehen wurden.

Leonardo wollte zeigen, dass ein guter Maler solide Kenntnisse der Mathematik, Anatomie, Geometrie, Optik und vieler anderer Bereiche benötigte, da sich seine Kunst auf die unìnittelbare Beobachtung der Natur stützt.


Eine tief gehende Analyse seiner Gründe bieten, in italienischer Sprache, die Einleitungen zum Traktat der Ausgabe von Giunti mit einer Einleitung von Carlo Pedretti und Carlo Vecce sowie die Ausgabe von Tea Arte und Neri Pozzi, mit Einleitung von Ettore Camesasca.

Diese Autoren analysieren und beschreiben unter Berücksichtigung der neuesten Studien auch die Geschichte des Traktats von den einzelnen Blättern, die Leonardo hinterließ, bis zur Abfassung eines Buches.

Kunsthistorisch sehr aufschlussreich ist die Deutsche Ausgabe: Eugen Diederichs, Jena, 1925.
 

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DIE MALEREI

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Zwei Ansichten des Saales "Malerei"

Abteilungen: Die Malerei - Der Maler
Die grolle Kunst des Kopierens

Die Farbe - Der Schatten
Vergleich zwischen schwarz-weiß und farbig

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Art. 406
Worauf ist des Malers Absicht vornehmlich gerichtet?

Die erste Absicht des Malers ist, zu machen, dass eine ebene Fläche sich als ein erhabener ... Körper darstelle ... Und selbiger Forschungszweig ... verdankt das Dasein dem Vorhandensein von Schatten und Lichtern, oder aber dem Hell und Dunkel ...


 



ANTONELLO DA MESSINA - Hl. Hieronymus im Gehäus

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Art. 43
Vom zweiten Prinzip der Malerei

Das zweite Prinzip der Malerei ist der Schauen des Körpers, der durch sie vorgestellt wird ...



 



LEONARDO DA VINCI - Hl. Anna Selbdritt

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Art. 36
Vergleichung der Malerei mit der Bildhauerei

Die Malerei ist von größerer Erwägung, von größerer Kunstfertigkeit und wunderbarer als die Skulptur; denn Notwendigkeit zwingt den Verstand des Malers, sich in den Verstand der Natur selbst zu verwandeln und zum Dolmetscher zwischen selbiger Natur und der Kunst zu werden...
... Und umfasst diese Kunst und schließt in sich zusammen alle sichtbaren Dinge ...
... verschiedenerlei Entfernungen wird dir der Maler zeigen, mit wechselnder Farbe der Luft, die zwischen die Objekte und das Auge eingeschoben ist ... 



MAESTRO DE LA SEO DE URGEL - Der büßende Hieronymus 

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Art. 36

... die Malerei stellt das Hindurchscheinen von Dingen dar ...

 

 

 

 



FRANCESCO MELZI
(Freund, Schüler und Erbe Leonardos) - Pomona und Vertunno

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Art. 36

... er (Maler) zeigt die Nebelschichten .. Regenschauer, die hinter ihrem Schleier Wolken samt Bergen und Tälern sehen lassen ... und so ganz unzählbare andere Dinge der Wirklichkeit ...

 



THEODORE ROUSSEAU- Effet d'orage. Vue de la plaine de Montmartre

 

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Art. 322
Von den Gebärden der Menschen

Es seien die Gebärden, welche die menschlichen Figuren mit ihren Gliedmaßen machen, so disponiert, dass sich in ihnen die Absicht der Seele deutlich ausspricht.
 



SCHULE LEONARDOS - Leda mit dem Schwan

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Art. 6
Wie die Malerei die Oberflächen, Figuren und Farben der Naturkörper in sich einschließt ...

Die Malerei verbreitet sich über die Flächen, Farben und Figuren sämtlicher, von der Natur geschaffenen Dinge, und die Philosophie dringt ins Innere selbiger Körper ein, indem sie deren eigentümliche Kräfte in Betrachtung zieht ...

 

 

LEONARDO DA VINCI - Ausschnitt aus dem Bild des Hl. Hieronymus

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Art. 3
Welches Wissen ist nützlicher, und worin besteht Seine Nutzbarkeit

Dasjenige Wissen ist mehr nütze, dessen Frucht die mitteilbarere ist ... Die Malerei ist im Besitz eines Schlusserfolges, der allen Generationen der Welt mitteilbar ist; denn dieses Endziel ist der Sehkraft untertan ...
Die Malerei stellt die Werke der Natur dem Verständnis und der Empfindung mit mehr Wirklichkeit und Bestimmtheit vor, als es Worte oder Schriftzüge tun ... Allein, wir werden sagen, es sei die Wissenschaft, welche die Werke der Natur vorstellt, bewundernswürdiger als jene, die nur Werke des sie ins Werk Setzenden vorstellt, d.h. Werke des Menschen ...

 

Manuskript B - Paris, Institut de France 

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Art. 7
Wie sich das Auge bei seinen Übungen weniger täuscht als irgend ein anderer Sinn


... so irrt sich das Auge ... weniger ... als irgend ein anderer Sinn; denn er sieht nur vermöge gerader Linien, ... und selbige zum Auge hinführt, wie ich zu beweisen vorhabe. Das Ohr hingegen täuscht sich bezüglich des Orts und der Entfernung seiner Objekte stark; denn es kommen die Eigenschaftsscheine zu ihm nicht in geraden Linien daher, wie die das Auge angehenden, sondern auf Umwege beschreibenden und zurück gebrochenen ... Noch weniger versichert sich der Geruchsinn des Orts, von dem her ein Geruch entsteht. Der Geschmack aber und der Tastsinn, die das Objekt berühren, werden nur diese Berührungsstelle gewahr.

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Der Maler


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Art. 45
Was der Lehrling zu allererst lernen soll

Zuerst soll der Lehrling Perspektive lernen, hierauf jeden Dinges Maße. Danach soll er nach guten Meisters Hand zeichnen, um sich an gute Gliedmaßen zu gewöhnen, und dann nach der Natur, um sich die Gründe des Erlernten zu bestätigen. Dann soll er sich eine Zeitlang Werke von Hand verschiedener Meister ansehen, und endlich sich gewöhnen, die Kunst praktisch auszuüben.

LEONARDO DA VINCI - Perspektivstudie für die Anbetung der Könige

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Art. 9
Wie der Maler Herr ist über Leute aller Art und über alle Dinge

Will der Maler Schönheiten erblicken, die ihn zur Liebe bewegen, so ist er Herr darüber, sie ins Dasein zu rufen ...

LEONARDO DA VINCI - Madonna mit der Nelke

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Art. 9

... und will er Dinge sehen, ungeheuerlich, zum Erschrecken,
oder drollig und zum Lachen, oder aber zum Erbarmen, so ist er darüber Herr und Gott ...

 

PIETER BRUEGEL
Bauerntanz

     

HIERONYMUS BOSCH
Tryptichon Garten der Lüste

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Art. 9
Wie der Maler Herr ist über Leute aller Art und über alle Dinge

... Und in der Tat, alles, was es im Weltall gibt, sei es nun in Wesenheit und Dasein, oder in der Einbildung, er hat es, zuerst im Geist und dann in den Händen, und die sind von solcher Vorzüglichkeit, dal sie es erlauben, mit einem einzigen Blick die Harmonie aller Dinge zu erkennen.

VINCENT VAN GOGH - Kornfeld mit Zypressen

27 



 

Art. 70
Wie der Maler nicht lobenswert, wenn er nicht allseitig ist

Von manchen kann man offenbar sagen, dal sie sich irren, wenn sie den Maler einen guten Meister nennen, der nur etwa einen Kopf oder eine Figur gut macht. Sicher, es heißt nichts Großes, daß einer, wenn er nur eine Sache zeit seines ganzen Lebens studiert, darin zu einiger Vollendung kommt ...
... Siehst du nicht, wieviel verschiedenerlei Getier es gibt, und so Bäume ... und Blumen, welche Mannigfaltigkeit gebirgiger und ebener Gegenden, ... Flüsse, Städte, ... Gebäude, ... verschiedene Trachten, Schmuck und Künste? Für alle diese Dinge gehört es sich, dal sie in gleicher Tüchtigkeit und Güte von dem verwendet werden, den du einen guten Maler nennen willst.


 

Art. 57
Vorschriften für den Maler

Der ist nicht allseitig, der nicht zu allen Dingen, die in der Natur vorhanden sind, gleichmäßig Lust hat; wie z.B., wenn einen die Landschaft nicht freut, so glaubt er, dieselbe sei eine Sache, zu der es nur eines kurzen und einfachen Studiums bedürfe. So sagte unser Botticelli, dies Studium sei eitel; denn wenn man nur einen Schwamm voll verschiedenerlei Farben gegen die Wand werfe, so hinterlasse dieser einen Fleck auf der Mauer, in dem man eine schöne Landschaft erblicken kann ... (siehe Abteilung moderne Kunst).
... Und jener Maler malte sehr traurige Landschaften.

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JACOPO TINTORETTO
Haupt eines Mannes

     

SANDRO BOTTICELLI
Die Geburt der Venus

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Art. 97
Um einen Nackten oder einen sonstigen Gegenstand nach der Natur zu zeichnen

Pflege einen Faden mit niederhängendem Blei in der Hand zu halten, damit du sehen kannst, wie die Dinge sich schneiden und zueinander in Richtung stehen.

 

Art. 85
Vom Zeichnen nach dem Nackten

Zeichnest du nach dem Nackten, so zeichne immer den ganzen Körper, und dann führst du dasjenige Glied aus, das dir am besten an ihm zu sein scheint, und übst es dir im Zusammenhang mit den übrigen Gliedmaßen ein. Auf andere Weise würdest du dir angewöhnen, die Gliedmaßen niemals wohl an einander zu fügen

 

Art. 75
Von der Mannigfaltigkeit der Figuren

Der Maler soll suchen allseitig zu sein; denn es geht ihm einen großer Teil seiner Würdigkeit ab, wenn er eine Sache gut, eine andere aber schlecht macht, wie viele, die nur ein mit bestimmtem Maß gemessenes und proportioniertes Nackten studieren und die Mannigfaltigkeit desselben nicht aufsuchen. Denn es kann ein Mensch proportioniert sein, dabei aber ebensowohl dick und kurz, als auch lang und dünn oder mittel, und wer dieser Verschiedenheit nicht Rechnung trägt, der macht Seine Figuren stets nach Schablone ...

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(*) Siehe Fußnote

     

 

 

Anatomie-Notizbuch V

 

 

(*) Kopie, nach Stichen aus dem Codex Urbinas, ihrerseits von Originalzeichnungen Leonardos kopiert.

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Die große Kunst des Kopierens

Art. 4
Von den nachahmbaren Wissenschaften, und wie die Malerei unnachahmbar ist, folglich ist sie Wissenschaft

Die nachahmbar Wissenschaften, sind von der Art, daß sich durch sie der Schüler dem Urheber gleichstellt ... Dieselben sind dem Nachahmer nützlich; sie besitzen aber nicht so hohen Glanz ...

... Die Malerei kann man dem nicht lehren, dem sie die Natur nicht verleiht ...

Den Kopien gewidmeter Teil

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Die 'Dame mit dem Hermelin"
von Leonardo
(rezente Kopie von F. Pari)

 

 

 

 

Vergrößerung des Kopfes
des Originalbildes.
Die Zeichen der Zeit erhöhen
den Reiz des Bildes.

 

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Art. 4

Sie (die Malerei) läßt sich nicht abformen wie eine Skulptur ... bei welcher der Abguß dem Original gleichkommt ...
... Mann kann sie (Malerei) nicht kopieren wie Schriften, wobei die Kopie soviel wert ist als das Original ...
... sie zeugt keine endlose Nachkommenschaft wie die gedruckten Bücher.

Sie (Malerei) bleibt ganz allein und vornehm für sich; durch sich allein bringt sie nur ihrem Urheber Ehre und bleibt köstlich und einzig; nie bringt sie Abkömmlinge zur Welt, die ihr gleich wären, und diese Einzigkeit macht sie hervorragender als jene, die überall publiziert werden ...

Mänaden aus Ton (Griechenland, 2. Jh. v. Chr.)

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KOPIEN UND KOPISTEN

(Betrachtungen zu den folgenden Seiten)

Die besten Kopisten waren die großen Maler selbst und Leonardo ist ein Beispiel dafür. Sie arbeiteten fast immer auf Bestellung, und wenn ein Bild gefiel, bestellten andere Kunden eine Kopie.

Von dem berühmten Gemälde „Madonna in der Felsengrotte" gibt es eine erste Fassung, die auf Bestellung der Bruderschaft der Franziskaner in Mailand gemalt wurde, und eine zweite Fassung unter Hinzufügung der Heiligenscheine und des Stocks, Sinnbild des Johannes.
Bei der dritten Fassung wurde Leonardo, mehr als üblich, von seinen Schülern unterstützt. Über die Schule Leonardos berichtet uns Frà Pietro da Novellara, der bei einem Besuch in Mailand „von zwei Schülern gemalte Bilder sah, an die auch der Meister von Zeit zu Zeit Hand anlegte".

Das letzte Bild, auch dieses von höchster Malkunst, stammt von einem unbekannten Maler.

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LEONARDO DA VINCI - Die Madonna in der Felsengrotte (1. Fassung)

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LEONARDO DA VINCI - Die Madonna in der Felsengrotte (2. Fassung)

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LEONARDOS SCHULE - Die Madonna in der Felsengrotte
(teilweise von seinen Schülern gemalt)

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ANONYMER NORDEUROPÄISCHER MALER - Die Madonna in der Felsengrotte

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Die beiden Ausschnitte der vorhergehenden Bilder zeigen die große Geschicklichkeit, den Einsatz und die Geduld der Maler und Kopisten der vergangenen Jahrhunderte.

 

 

LEONARDO DA VINCI
Ausschnitt aus der Madonna in der Felsengrote (1. Fassung)

 

   

 

 

 

 

ANONYMER NORDEUROPÄISCHER MALER
Ausschnitt aus der Madonna in der Felsengrotte

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Die Farbe

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Art. 186
Von der Gegenüberstellung einer Farbe mit anderen, derart, daß sie einander Anmut verleihen

Willst du bewirken, daß die Nachbarschaft einer Farbe der anderen anstoßenden Farbe Anmut verleihe, so bediene dich der Regel, welche die Sonnenstrahlen im Bogen am Himmel, den man "Iris" nennt, befolgen ...

Art. 186

Es bleibt uns noch eine zweite Regel zu erwähnen, die nicht darauf ausgeht, den Farben an sich zu höherer Schönheit zu verhelfen, als sie schon von Natur haben, sondern zu bewirken, daß sie durch ihre Gesellschaft einander Anmut verleihen, wie z.B. das Grün dem Rot und Rot dem Grün und Grün dem Blau. Es gibt da auch noch sonst eine Regel, die unholde Gesellschaft erzeugt, wie die des Azurblaues mit Gelb, das zu Weiß verblast, oder Azurblau mit Weiß und ähnlichen, die anderorts genannt werden.


 

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Art. 255
Von der wahren Farbe

Die wahre Farbe eines jeglichen Körpers wird sich an der Stelle zeigen, die weder von irgendeiner Art von Schatten noch, bei polierten Körpern, von derem gespiegelten Glanze eingenommen wird. (Roter und gelber Umhang, Bereiche ohne Schatten)

ALBRECHT DUERER - Beweinung Christi

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Art. 254
Von Farben

Unter gleich vollkommenen Farben wird sich diejenige als die vorzüglichere aufweisen, die in Gesellschaft ihres direkten Kontrastes gesehen wird. Jede Farbe erscheint besser inmitten ihres Kontrastes, als inmitten ihres Gleichen, wie z.B. Dunkel in Hell, und Hell in Dunkel ...




 

AMBROGIO DE PREDIS - Portrait eines Jünglings

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Art. 186

Achte darauf, wenn du eine ausgezeichnete Dunkelheit zeigen willst, daß du ihr eine ausgezeichnete Helligkeit zum Vergleich gibst ...

Art. 254

... Weiß, das an Dunkel anstößt, bewirkt, dal das Dunkle schwärzer und das Weiß heller und reiner aussieht.

CARAVAGGIO - Madonna dei palafrenieri 

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Art. 254
Von Farben

Der Stoff welcher sich zwischen dem Auge und dem gesehenen Objekt befindet, verändert die Farbe des Objektes, so wie die blaue Luft die fernen Berge blau erscheinen läßt ...

Art. 449
Vom Blau, in dem sich die ferne Landschaft zeigt

Unter den vom Auge entfernten Gegenständen, seien sie von welcher Farbe sie wollen, zeigt sich derjenige am blauesten von Farbe, welcher von Natur oder zufällig der dunkelste ist ... (Weniger reflektierende Luft zwischen Objekt und Auge)



LEONARDO DA VINCI
Ausschnitt aus dem Gemälde: Madonna in der Felsengrotte (2.Fassung)

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Art. 251
Von Farben

Das Blau und das Grün sind nicht einfache Farben für sich. Denn das Blau setzt sich aus Licht und Finsternis zusammen, wie das Blau der Luft, das aus vollkommenem Schwarz und vollkommen reinem Weiß besteht ... 

Art. 445
Vom Gegenstande, der sich von weitem zeigt

Von dunklen Gegenständen zeigt sich der jenige als der hellere, der am weitesten vom Auge entfernt ist. (Mehr Luft zwischen Auge und Objekt) Hieraus folgt umgekehrt, dass der, welcher dem Auge am nächsten steht, sich am dunkelsten zeigen wird ...

LEONARDO DA VINCI - Ausschnitt aus der Hl. Anna Selbdritt

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Zwei Bilder ohne die Wiedergabe der Luft

 

ALBRECHT ALTDORFER
Laubwald mit dem HI. Georg

   

BARTOLOMEO UND POMPEO MORGANTI
Auferweckung des Lazarus und der Erzengel Michael

 

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Der Schatten in der Malerei

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Art. 434

Die Malerei besteht aus Licht und Dunkelheit ...

 


Schwarzweiss-Zeichnungen der "Schule von Athen" von Raffael
und des "Letzten Abendmals" von Leonardo

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Art. 434

... mit den verschiedenen Arten aller einfachen und zusammengesetzten Farben zusammengemischt.





 

Die beiden farbigen Gemälde befinden sich im Vatikan, Zimmer der Signatur, und in Mailand, in der Kirche Santa Maria delle Grazie.

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Art. 407
Was ist wichtiger in einer Malerei, der Schatten- oder die Zeichnung der Linien?

Weit feineres Untersuchen und Überlegen als die Linienzeichnung erheischen in der Malerei die Schatten. Und der Beweis hierfür wird dadurch geliefert, dal man die Linien durcheien Schleier erkennen kann ... Die Schatten aber sind von dieser Möglichkeit wegen ihrer verschwommenen Grenzen ausgeschlossen, wie im Buche über Schatten und Licht erläutert wird.

SANDRO BOTTICELLI - Der Frühling

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Art. 537
Was ist Schatten und was Licht und welches hat größere Macht?

Schatten ist Entziehung von erleuchtenden Licht ... Der Schatten gehört seiner Natur nach der Finsternis an, das Licht ist von der Natur des Lichtes. Der eine verbirgt, das andere zeigt; stets sind sic einander zugestellt mit den Körpern verbunden. Und der Schatten hat größere Macht als das Licht ... das Leuchtlicht aber vermag niemals den Schatten von den Körpern zu vertreiben, von den dichten Körpern nämlich.

FRANCISCO GOYA - El hechizado por fuerza

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Art. 91
Art und Weise des Abbildens, und von einfachen wie auch zusammengesetztem Schatten

Zeichne eine Figur nicht ... im Freien ohne Sonne ... Denn das offene Freie bewirkt einen einfachen Schatten, während das einseitige Licht eines Fensters oder des Sonnenscheins aber zusammengesetztem, d.h. mit Reflex gemischten.

 

(Abb.) Bayonne, Raccolta Bonnat

LEONARDO DA VINCI - Ginevra de' Benci

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Art. 90
In
welcher Umgebung man ein Antlitz abbilden soll, um ihm Anmut von Schatten und Lichtern zu verleihen


Sehr große Anmut von Schatten und Lichtern legt sich auf die Gesichter derer, die unter den Türen dunkler Behausungen sitzen. Dann sieht das Auge des Beschauers die Schattenseite des Gesichts durch die Schattendunkelheit des erwähnten Hausraums verstärkt, und der Lichtseite des Gesichts sieht es die Helligkeit hinzugefügt, die ihr der Glanz der Luft verleiht. Vermöge dieser Steigerung von Schatten und Lichtern bekommt das Gesicht großes Relief, dazu auf der Lichtseite (oder -hälfte) fast unmerkliche Schatten, auf der Schattenseite ebenso unmerkliche Lichter. Durch solche Darstellung und Steigerung von Schatten und Lichtern gewinnt das Antlitz sehr an Schönheit.

FRANCESCO MELZI - Flora

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Art. 232
Die Grade der Malerei

Es ist nicht immer gut, was schön aussieht. Das sage ich für jene Maler, die so sehr die Schönheit der Farben lieben, daß sie diesen nur ganz schwache und fast unmerkliche Schatten geben, und auch das nicht ohne Bedauern. Sie sind in diesem Irrtum gleich Rednern schöner Worte, die nichts sagen.

BEHZAD - Der Kalif und der Barbier

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Art. 461 - Von den Schattenflecken oder dem unbestimmt geformten Schattenmittelton, der an Körpern in der Entfernung zum Vorschein kommt
Die Kehle oder sonst irgendwelche Senkrechte, die einen Vorsprung über sich hat, wird dunkler sein als die senkrecht stehende Vorderseite dieses vorspringenden Teiles selbst. Dies folgt daraus, dass sich unter Körper der heller beleuchtet zeigt, der von einer größeren Menge des gemeinschaftlichen Beleuchtungslichtes gesehen wird.

  


Seite 433 - Libro di Pittura (Verlag Giunti)           

 

Florenz, Uffizien

... Was ich dir aber bezüglich der Gesichter ins Gedächtnis rufen wollte, ist, daß du bei denselben beobachtest, wie sich in verschiedenerlei Entfernungen verschiedenerlei Qualitäten von Schatten verlieren. Es behaupten sich nur die Hauptflecken ...
    

Ausschnitt aus einer russischen Ikone
aus dem 19. A
(Gesichter aus weißen und dunklen Flecken)

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Das Licht in der Malerei

 

 

Art. 221
Von der Helligkeit der Landschaften

Niemals werden es gemalte Landschaften an Farben, Lebhaftigkeit und Helligkeit der wirklichen Landschaft im Sonnenschein gleich tun, außer sie würden gleichfalls in den Sonnenschein gestellt.

 

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Gemälde von Walter Kurau, Direktor der Malschule
Kurau - Matthaes in Dresden, 1914
(beleuchtet)



(nicht beleuchtet)

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Art. 241
Von Farben

Die in Schatten sitzenden Farben werden ihrer natürlichen Schönheit in dem Grad mehr oder weniger teilhaftig sein, in dem die Dunkelheit geringer oder größer ist, in der sie sich befinden ...

 

 

Drei Studien von W. Kurau 1906 - Ostseeküste,
zu verschiedenen Tageszeiten gemalt

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