www.LeonardoTeacherofPaintinginMilan.com        last update:13/11/2009

 

"Die Kunst verstehen mit den Augen Leonardos"

veröffentlicht und vorgestellt in einer Dauerausstellung vom Museo d'Arte e Scienza nach dem
Leonardo da Vinci's Traktat von der Malerei  

 

Diese seit langem erwartete gekürzte und leicht verständliche Ausgabe mit 158 Seiten und 160 künstlerischen Farbfotos erschien im Jahre 2003 aus Anlass der Leonardo-Ausstellungen im Mailänder Museum.
Die bisherigen Ausgaben in verschiedenen europäischen Sprachen hätten aufgrund ihrer enormen Bedeutung für die Kunst ein Bestseller werden können. Die Kompliziertheit der langen Texte und die unzähligen Wiederholungen der gleichen Gedanken verhinderten jedoch die Verbreitung und gebührliche Würdigung.
Dieses Buch wählt aus den Tausenden von Artikeln diejenigen aus, die für das Kunstverständnis bedeutungsvoll sind; es wurde mit den zugehörigen Zeichnungen Leonardos, Farbfotos seine Gemälde und hochwertigen, seine Gedanken erläuternden Kunstobjekten illustriert. Die Texte verwenden ausschließlich die Worte Leonardos.

Das Buch ist im Museum oder per Post für € 20,00
in Italienisch und Englisch erhältlich.
Deutsche Ausgabe in Vorbereitung
.
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bitte hier clicken

 

 

Die G. Matthaes-Stiftung

 Die Geschichte der Stiftung beginnt Anfang des letzten Jahrhunderts in Dresden, einem Zentrum der modernen europäischen Kunst, wo die Familien Matthaes und Kurau 1906 eine Malschule eröffneten.

Die Suche nach neuen Inspirierungen seitens der Künstler dieser Zeit erklärt die Größe und Qualität einiger didaktischer Sammlungen, wie der griechisch­römischen Keramik, die vom italienischen Ministerium für Kulturgüter als von außerordentlichem kunsthistorischem Interesse erklärt wurde, und die Sammlungen afrikanischer sowie asiatischer Kunst. Die Abwanderung der Künstler von Dresden nach Berlin brachte die Schule dazu, 1917 nach Berlin zu ziehen, wo ihre Aufgaben, hauptsächlich in Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen, gut dokumentiert sind (z.B. die Dekorationen der großen Mauern des bekannten archäologischen Museums Pergamon" 1931). Nach dem Tod der Gründer in den dreißiger Jahren wurde die Schule geschlossen, während die Sammlungen erhalten blieben.

In den siebziger Jahren nahm die Familie Matthaes ihre didaktische Tätigkeit wieder auf, veröffentlichte einen Teil der Sammlungen und stellte sie 1990 in Mailand in einem eigenes dafür gegründeten Lehrmuseum, dem "Museo del Collezionista d'Arte" aus. Die Gründung modernen wissenschaftlicher Laboren zur Echtheitserkennung und der Erforschung diesbezüglicher Methoden, sowie die Einbeziehung neuer Gebiete zur Kunstbeurteilung auf objektiver Basis, führte Anfang 2004 zu einem neuen Namen:
"Museo d’Arte e Scienza" .

 

 

Ein herzliches Dankeschön meinen Kindern Patrizia und Peter sowie
Silvia Vaschetto, ohne deren Hilfe dieser Katalog nicht entstanden wäre.

 
 

 

 

 

Stiftung Gottfried Matthaes
Via Quintino Sella 4, 20121 Milano

 

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"Vielleicht gibt es auf der Welt kein anderes Beispiel für eine so große kreative Begabung, so unfähig sich zufrieden zu geben ständig auf die Ewigkeit ausgerichtet von der Natur so hoch ausgezeichnet und seinem Jahrhundert wie den kommenden so weit voraus."

(Hippolyte Taine)

 

 

Der Eingang zu den Ausstellungssälen

 

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Gottfried Matthaes

 

Die Kunst verstehen mit
den Augen Leonardos

 

 

 

 

Nach den Übersetzungen von Heinrich Ludwig (um 1880)
des Originaltextes des "Traktats von der Malerei"

 

Eine Dauerausstellung in Mailand

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Ziel der Ausstellung  und ihres Kataloges

"Die Malerei kann man nicht lehren, dem die Natur es nicht gab". Diese Theorie Leonardos erinnert an das alte Sprichwort: "Man kann die Malerei lehren, aber nicht die Kunst".

Wenn es wirklich so schwierig ist, die Kunst zu lehren, muss es genau so schwierig sein, sie zu verstehen und zu schätzen. Man bräuchte also ein Genie, das diese schwere Aufgabe in Angriff nehmen kann, und niemand anderer als Leonardo da Vinci besitzt dafür alle notwendigen Vorraussetzungen. Er ist nicht nur ein großartiger Maler - drei seiner Werke reihen sich unter den zehn berühmtesten Gemälden der Welt ein: das letzte Abendmahl, die Madonna in der Felsengrotte, die Mona Lisa - nein, er selbst sah sich in erster Linie als Wissenschaftler und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens nicht mit Malen, sondern mit Beobachten, Studieren und Entwerfen.
Während er seinen verschiedenen Tätigkeiten in Mailand nachkam, wurde er sich schon als Dreißigjähriger der Notwendigkeit bewusst, seine Aufzeichnungen in einem Buch zusammenzufassen.
Diesel Buch ist jedoch nie entstanden, auch wegen einer seiner Haupteigenschaften, die Vasari wie folgt beschreibt:

"Leonardo begann vieles und brachte nichts zu Ende".

Zu breit gestreut war sein Interessengebiet, um sich ganz einem einzigen Werk widmen zu wollen.

Beispiele für diese Besonderheit ergeben sich aus der einzigen wichtigen Skulptur, mit der er je beauftragt wurde, dem Herzog Francesco Sforza zu Pferde, von Leonardo mit zahlreichen Studien geplant, aber nie verwirklicht, sowie aus großen Gemälden, die entweder unvollständig blieben oder von anderen zu Ende geführt wurden.
Leider zeichnete Leonardo seine Gedanken auf einzelnen Blättern auf, mit wenig Worten in einem nicht immer verständlichen Code geschrieben, wo jedes Thema verschiedentlich entfaltet oder wiederholt wurde.

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Gegen Ende seines Lebens wurde er sich in Paris der Unmöglichkeit bewusst, die tausende von Zetteln zu sammeln und zu ordnen und entschied sich, alles seinem Freund und Schüler Francesco Melzi zu schenken.
Seitdem haben viele Gelehrte den Versuch unternommen, die einzelnen Notizen auszuwählen, zu nummerieren und, wo möglich, mit den Zeichnungen des Meisters zu veranschaulichen, wodurch der "Traktat von der Malerei" entstand. Dieses Buch, das eigentlich ein "Bestseller" sein müsste, wird jedoch seit jeher wegen seiner schweren Lesbarkeit wenig verstanden und konsultiert.

Die Matthaes-Stiftung hat sich vorgenommen, den "Traktat" zugänglicher zu machen. Es werden ausschließlich die Worte der Originaltexte verwendet, ohne Kommentare oder Änderungen der Gedanken des Meisters. Die Themen werden lediglich geordnet, zu lange Texte gekürzt, zahlreiche Wiederholungen vermieden und die bedeutendsten Konzepte veranschaulicht.

Der vorliegende Katalog möchte kein Extrakt des "Traktats" sein. Er ist eine Auswahl, die mit der Absicht getroffen wurde, jene e Gedanken Leonardos auszuwählen, die es dem Betrachter eines Gemäldes oder einer Skulptur ermöglichen, das Werk nach einer soliden Vorbereitung durch einen großen Meister zu betrachten.
 

Die Wahl der ausgestellten Gegenstände

Von Leonardo da Vinci sind sehr viele Zeichnungen bekannt und die Ausstellung baut diese intensiv in die Texte ein. Gemälde hat er jedoch wenige geschaffen, etwa 15 insgesamt, und von seinen Skulpturen ist nicht eine einzige bekannt. Es ist also unmöglich, im Rahmen der Ausstellung seine Werke zu zeigen. Im Traktat formuliert Leonardo seine Gedanken ohne direkt auf Stile, Kulturen und historisch-künstlerische Epochen Bezug zu nehmen, was die Möglichkeit bietet, diejenigen Objekte auszuwählen, die die einzelnen Artikel am besten und dem klassischen Kunstverständnis seiner Epoche am nährsten veranschaulichen. Die Nummerierung der Themen entspricht der italienischen Ausgabe von Neri Pozza.

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Die Wahl des Ausstellungsortes

Die Ausstellung befindet sich im Palazzo Bonacossa, Sitz der Matthaes-Stiftung und ihres „Museo del Collezionista d'Arte", wenige Meter vom Castello Sforzesco entfernt, un dessen Hof Leonardo da Vinci die aktivsten und bedeutendsten Jahre seines Lebens verbrachte (1482-1499 / 15o6-1513).

Palazzo Bonacossa in Via Quintino Sella 4, Mailand.
Im Hintergrund das Castello Sforzesco

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VORWORT

Anmerkung zum Verständnis des Traktats

Der Traktat von der Malerei beginnt mit dem bedeutungsvollen Kapitel:

Art. 1  Ob die Malerei Wissenschaft ist oder nicht

Diese Klarstellung unterstreicht, dass Leonardo sich selbst in erster Linie als Wissenschczftle7, betrachtete ("Wissenschaft", wie sie in der Renaissance verstanden wurde).

Bedeutend sind auch die Artikel 31 und 34:

Art. 34 Da ich mich nicht minder in der Skulptur als in der Malerei betätige

und beide in gleichem Mal  ausübe, so scheint mir, ich könne ohne Vorwurf großer Anmaßung ein Urteil abgeben, welcher von beiden mehr Genie, Schwierigkeit und Vollkommenheit eigen sei ...

Art. 31 Die Bildhauerei ist keine Wissenschaft, sondern eine höchst handwerksmäßige Kunst;

denn sie verschafft dem, der sie ausübt, Schweiß und körperliche Mühe. Auch genügen einem solchen Künstler die einfachen Maßen der Glieder und die Natur der Bewegungen und Stellungen, und zeigt am Ende dem Auge das was es ist ...

Art. 34 ... Aber die Malerei ist von wunderbarer Kunstfertigkeit subtilster Spekulationen...

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Art. 32
Unterschied zwischen der Malerei und der Bildhauerei

Zwischen der Malerei und der Bildhauerei finde ich keinen anderen Unterschied, als den: der Bildhauer führt seine Werke mit größerer Körperanstrengung aus als der Maler, und dieser die seinigen mit größerer Anstrengung des Geistes. Dass dem so sei, ist erwiesen; denn bei der Arbeit an seinem Werk hat der Bildhauer mit Armkraft und Hammerschlägen den Marmor, oder sonstigen überflüssigen Stein zunichte zu machen, der über die Figur, die in ihm eingeschlossen ist, hervorragt; das ist ein sehr mechanisches Geschäft und ist oft von großem Schweiß begleitet, der, mit Staub vermengt, zu Schlamm wird. Da hat er das Gesicht ganz beschmiert und mit Marmorstaub eingepudert ... und seine Behausung, die ist voll Steinsplitter und Staub.

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Art. 32

... Ganz das Gegenteil von alle diesem ist beim Maler der Fall, - wir sprechen hier nur von ausgezeichneten Malern sowohl als Bildhauern. Denn der Maler sitzt mit großer Bequemlichkeit vor seinem Werk, wohl gekleidet, und regt den ganz leichten Pinsel mit den anmutigen Farben. Mit Kleidern ist er geschmückt, wie es ihm gefällt. Und Seine Behausung, die ist voll heiterer Malereien und glänzend reinlich. Oft hat er Gesellschaft, von Musik, oder von Vorlesern verschiedener schöner Werke, und das wird ohne Hammergedröhn oder sonstigen Lärm mit großem Vergnügen angehört.






 

PAUL-PROSPER ALLAIS - Raffael  in der Werkstatt Leonardos
während der Porträtierung der Mona Lisa

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GUILLAM VAN HAECHT
Atelier des Apelles, der Kampaspe porträtiert

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Um seine Vorliebe für die Malerei zu erklären, die er mit kämpferischem Geist den gesamten Traktat hindurch unterstreicht, gibt es zahlreiche Gründe. Den nahe liegendsten bieten die Werke Leonardos selbst: einerseits wunderbare Gemälde und andererseits lange und leidvolle Anstrengungen, um eine einzige Statue von Francesco Sforza zu Pferde zu schaffen, die nie über die Gestaltung des Modells hinausgekommen ist.

Eine weitere Erklärung findet sich darin, dass er die Interessen der Maler schätzen wollte, die vor allem in Florenz gegenüber den Dichtern, Philosophen und Theologen als minderwertiger angesehen wurden.

Leonardo wollte zeigen, dass ein guter Maler solide Kenntnisse der Mathematik, Anatomie, Geometrie, Optik und vieler anderer Bereiche benötigte, da sich seine Kunst auf die unìnittelbare Beobachtung der Natur stützt.


Eine tief gehende Analyse seiner Gründe bieten, in italienischer Sprache, die Einleitungen zum Traktat der Ausgabe von Giunti mit einer Einleitung von Carlo Pedretti und Carlo Vecce sowie die Ausgabe von Tea Arte und Neri Pozzi, mit Einleitung von Ettore Camesasca.

Diese Autoren analysieren und beschreiben unter Berücksichtigung der neuesten Studien auch die Geschichte des Traktats von den einzelnen Blättern, die Leonardo hinterließ, bis zur Abfassung eines Buches.

Kunsthistorisch sehr aufschlussreich ist die Deutsche Ausgabe: Eugen Diederichs, Jena, 1925.
 

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DIE MALEREI

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Zwei Ansichten des Saales "Malerei"

Abteilungen: Die Malerei - Der Maler
Die grolle Kunst des Kopierens

Die Farbe - Der Schatten
Vergleich zwischen schwarz-weiß und farbig

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Art. 406
Worauf ist des Malers Absicht vornehmlich gerichtet?

Die erste Absicht des Malers ist, zu machen, dass eine ebene Fläche sich als ein erhabener ... Körper darstelle ... Und selbiger Forschungszweig ... verdankt das Dasein dem Vorhandensein von Schatten und Lichtern, oder aber dem Hell und Dunkel ...


 



ANTONELLO DA MESSINA - Hl. Hieronymus im Gehäus

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Art. 43
Vom zweiten Prinzip der Malerei

Das zweite Prinzip der Malerei ist der Schauen des Körpers, der durch sie vorgestellt wird ...



 



LEONARDO DA VINCI - Hl. Anna Selbdritt

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Art. 36
Vergleichung der Malerei mit der Bildhauerei

Die Malerei ist von größerer Erwägung, von größerer Kunstfertigkeit und wunderbarer als die Skulptur; denn Notwendigkeit zwingt den Verstand des Malers, sich in den Verstand der Natur selbst zu verwandeln und zum Dolmetscher zwischen selbiger Natur und der Kunst zu werden...
... Und umfasst diese Kunst und schließt in sich zusammen alle sichtbaren Dinge ...
... verschiedenerlei Entfernungen wird dir der Maler zeigen, mit wechselnder Farbe der Luft, die zwischen die Objekte und das Auge eingeschoben ist ... 



MAESTRO DE LA SEO DE URGEL - Der büßende Hieronymus 

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Art. 36

... die Malerei stellt das Hindurchscheinen von Dingen dar ...

 

 

 

 



FRANCESCO MELZI
(Freund, Schüler und Erbe Leonardos) - Pomona und Vertunno

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Art. 36

... er (Maler) zeigt die Nebelschichten .. Regenschauer, die hinter ihrem Schleier Wolken samt Bergen und Tälern sehen lassen ... und so ganz unzählbare andere Dinge der Wirklichkeit ...

 



THEODORE ROUSSEAU- Effet d'orage. Vue de la plaine de Montmartre

 

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Art. 322
Von den Gebärden der Menschen

Es seien die Gebärden, welche die menschlichen Figuren mit ihren Gliedmaßen machen, so disponiert, dass sich in ihnen die Absicht der Seele deutlich ausspricht.
 



SCHULE LEONARDOS - Leda mit dem Schwan

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Art. 6
Wie die Malerei die Oberflächen, Figuren und Farben der Naturkörper in sich einschließt ...

Die Malerei verbreitet sich über die Flächen, Farben und Figuren sämtlicher, von der Natur geschaffenen Dinge, und die Philosophie dringt ins Innere selbiger Körper ein, indem sie deren eigentümliche Kräfte in Betrachtung zieht ...

 

 

LEONARDO DA VINCI - Ausschnitt aus dem Bild des Hl. Hieronymus

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Art. 3
Welches Wissen ist nützlicher, und worin besteht Seine Nutzbarkeit

Dasjenige Wissen ist mehr nütze, dessen Frucht die mitteilbarere ist ... Die Malerei ist im Besitz eines Schlusserfolges, der allen Generationen der Welt mitteilbar ist; denn dieses Endziel ist der Sehkraft untertan ...
Die Malerei stellt die Werke der Natur dem Verständnis und der Empfindung mit mehr Wirklichkeit und Bestimmtheit vor, als es Worte oder Schriftzüge tun ... Allein, wir werden sagen, es sei die Wissenschaft, welche die Werke der Natur vorstellt, bewundernswürdiger als jene, die nur Werke des sie ins Werk Setzenden vorstellt, d.h. Werke des Menschen ...

 

Manuskript B - Paris, Institut de France 

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Art. 7
Wie sich das Auge bei seinen Übungen weniger täuscht als irgend ein anderer Sinn


... so irrt sich das Auge ... weniger ... als irgend ein anderer Sinn; denn er sieht nur vermöge gerader Linien, ... und selbige zum Auge hinführt, wie ich zu beweisen vorhabe. Das Ohr hingegen täuscht sich bezüglich des Orts und der Entfernung seiner Objekte stark; denn es kommen die Eigenschaftsscheine zu ihm nicht in geraden Linien daher, wie die das Auge angehenden, sondern auf Umwege beschreibenden und zurück gebrochenen ... Noch weniger versichert sich der Geruchsinn des Orts, von dem her ein Geruch entsteht. Der Geschmack aber und der Tastsinn, die das Objekt berühren, werden nur diese Berührungsstelle gewahr.

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Der Maler


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Art. 45
Was der Lehrling zu allererst lernen soll

Zuerst soll der Lehrling Perspektive lernen, hierauf jeden Dinges Maße. Danach soll er nach guten Meisters Hand zeichnen, um sich an gute Gliedmaßen zu gewöhnen, und dann nach der Natur, um sich die Gründe des Erlernten zu bestätigen. Dann soll er sich eine Zeitlang Werke von Hand verschiedener Meister ansehen, und endlich sich gewöhnen, die Kunst praktisch auszuüben.

LEONARDO DA VINCI - Perspektivstudie für die Anbetung der Könige

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Art. 9
Wie der Maler Herr ist über Leute aller Art und über alle Dinge

Will der Maler Schönheiten erblicken, die ihn zur Liebe bewegen, so ist er Herr darüber, sie ins Dasein zu rufen ...

LEONARDO DA VINCI - Madonna mit der Nelke

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Art. 9

... und will er Dinge sehen, ungeheuerlich, zum Erschrecken,
oder drollig und zum Lachen, oder aber zum Erbarmen, so ist er darüber Herr und Gott ...

 

PIETER BRUEGEL
Bauerntanz

     

HIERONYMUS BOSCH
Tryptichon Garten der Lüste

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Art. 9
Wie der Maler Herr ist über Leute aller Art und über alle Dinge

... Und in der Tat, alles, was es im Weltall gibt, sei es nun in Wesenheit und Dasein, oder in der Einbildung, er hat es, zuerst im Geist und dann in den Händen, und die sind von solcher Vorzüglichkeit, dal sie es erlauben, mit einem einzigen Blick die Harmonie aller Dinge zu erkennen.

VINCENT VAN GOGH - Kornfeld mit Zypressen

27 



 

Art. 70
Wie der Maler nicht lobenswert, wenn er nicht allseitig ist

Von manchen kann man offenbar sagen, dal sie sich irren, wenn sie den Maler einen guten Meister nennen, der nur etwa einen Kopf oder eine Figur gut macht. Sicher, es heißt nichts Großes, daß einer, wenn er nur eine Sache zeit seines ganzen Lebens studiert, darin zu einiger Vollendung kommt ...
... Siehst du nicht, wieviel verschiedenerlei Getier es gibt, und so Bäume ... und Blumen, welche Mannigfaltigkeit gebirgiger und ebener Gegenden, ... Flüsse, Städte, ... Gebäude, ... verschiedene Trachten, Schmuck und Künste? Für alle diese Dinge gehört es sich, dal sie in gleicher Tüchtigkeit und Güte von dem verwendet werden, den du einen guten Maler nennen willst.


 

Art. 57
Vorschriften für den Maler

Der ist nicht allseitig, der nicht zu allen Dingen, die in der Natur vorhanden sind, gleichmäßig Lust hat; wie z.B., wenn einen die Landschaft nicht freut, so glaubt er, dieselbe sei eine Sache, zu der es nur eines kurzen und einfachen Studiums bedürfe. So sagte unser Botticelli, dies Studium sei eitel; denn wenn man nur einen Schwamm voll verschiedenerlei Farben gegen die Wand werfe, so hinterlasse dieser einen Fleck auf der Mauer, in dem man eine schöne Landschaft erblicken kann ... (siehe Abteilung moderne Kunst).
... Und jener Maler malte sehr traurige Landschaften.

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JACOPO TINTORETTO
Haupt eines Mannes

     

SANDRO BOTTICELLI
Die Geburt der Venus

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Art. 97
Um einen Nackten oder einen sonstigen Gegenstand nach der Natur zu zeichnen

Pflege einen Faden mit niederhängendem Blei in der Hand zu halten, damit du sehen kannst, wie die Dinge sich schneiden und zueinander in Richtung stehen.

 

Art. 85
Vom Zeichnen nach dem Nackten

Zeichnest du nach dem Nackten, so zeichne immer den ganzen Körper, und dann führst du dasjenige Glied aus, das dir am besten an ihm zu sein scheint, und übst es dir im Zusammenhang mit den übrigen Gliedmaßen ein. Auf andere Weise würdest du dir angewöhnen, die Gliedmaßen niemals wohl an einander zu fügen

 

Art. 75
Von der Mannigfaltigkeit der Figuren

Der Maler soll suchen allseitig zu sein; denn es geht ihm einen großer Teil seiner Würdigkeit ab, wenn er eine Sache gut, eine andere aber schlecht macht, wie viele, die nur ein mit bestimmtem Maß gemessenes und proportioniertes Nackten studieren und die Mannigfaltigkeit desselben nicht aufsuchen. Denn es kann ein Mensch proportioniert sein, dabei aber ebensowohl dick und kurz, als auch lang und dünn oder mittel, und wer dieser Verschiedenheit nicht Rechnung trägt, der macht Seine Figuren stets nach Schablone ...

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(*) Siehe Fußnote

     

 

 

Anatomie-Notizbuch V

 

 

(*) Kopie, nach Stichen aus dem Codex Urbinas, ihrerseits von Originalzeichnungen Leonardos kopiert.

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Die große Kunst des Kopierens

Art. 4
Von den nachahmbaren Wissenschaften, und wie die Malerei unnachahmbar ist, folglich ist sie Wissenschaft

Die nachahmbar Wissenschaften, sind von der Art, daß sich durch sie der Schüler dem Urheber gleichstellt ... Dieselben sind dem Nachahmer nützlich; sie besitzen aber nicht so hohen Glanz ...

... Die Malerei kann man dem nicht lehren, dem sie die Natur nicht verleiht ...

Den Kopien gewidmeter Teil

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Die 'Dame mit dem Hermelin"
von Leonardo
(rezente Kopie von F. Pari)

 

 

 

 

Vergrößerung des Kopfes
des Originalbildes.
Die Zeichen der Zeit erhöhen
den Reiz des Bildes.

 

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Art. 4

Sie (die Malerei) läßt sich nicht abformen wie eine Skulptur ... bei welcher der Abguß dem Original gleichkommt ...
... Mann kann sie (Malerei) nicht kopieren wie Schriften, wobei die Kopie soviel wert ist als das Original ...
... sie zeugt keine endlose Nachkommenschaft wie die gedruckten Bücher.

Sie (Malerei) bleibt ganz allein und vornehm für sich; durch sich allein bringt sie nur ihrem Urheber Ehre und bleibt köstlich und einzig; nie bringt sie Abkömmlinge zur Welt, die ihr gleich wären, und diese Einzigkeit macht sie hervorragender als jene, die überall publiziert werden ...

Mänaden aus Ton (Griechenland, 2. Jh. v. Chr.)

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KOPIEN UND KOPISTEN

(Betrachtungen zu den folgenden Seiten)

Die besten Kopisten waren die großen Maler selbst und Leonardo ist ein Beispiel dafür. Sie arbeiteten fast immer auf Bestellung, und wenn ein Bild gefiel, bestellten andere Kunden eine Kopie.

Von dem berühmten Gemälde „Madonna in der Felsengrotte" gibt es eine erste Fassung, die auf Bestellung der Bruderschaft der Franziskaner in Mailand gemalt wurde, und eine zweite Fassung unter Hinzufügung der Heiligenscheine und des Stocks, Sinnbild des Johannes.
Bei der dritten Fassung wurde Leonardo, mehr als üblich, von seinen Schülern unterstützt. Über die Schule Leonardos berichtet uns Frà Pietro da Novellara, der bei einem Besuch in Mailand „von zwei Schülern gemalte Bilder sah, an die auch der Meister von Zeit zu Zeit Hand anlegte".

Das letzte Bild, auch dieses von höchster Malkunst, stammt von einem unbekannten Maler.

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LEONARDO DA VINCI - Die Madonna in der Felsengrotte (1. Fassung)

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LEONARDO DA VINCI - Die Madonna in der Felsengrotte (2. Fassung)

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LEONARDOS SCHULE - Die Madonna in der Felsengrotte
(teilweise von seinen Schülern gemalt)

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ANONYMER NORDEUROPÄISCHER MALER - Die Madonna in der Felsengrotte

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Die beiden Ausschnitte der vorhergehenden Bilder zeigen die große Geschicklichkeit, den Einsatz und die Geduld der Maler und Kopisten der vergangenen Jahrhunderte.

 

 

LEONARDO DA VINCI
Ausschnitt aus der Madonna in der Felsengrote (1. Fassung)

 

   

 

 

 

 

ANONYMER NORDEUROPÄISCHER MALER
Ausschnitt aus der Madonna in der Felsengrotte

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Die Farbe

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Art. 186
Von der Gegenüberstellung einer Farbe mit anderen, derart, daß sie einander Anmut verleihen

Willst du bewirken, daß die Nachbarschaft einer Farbe der anderen anstoßenden Farbe Anmut verleihe, so bediene dich der Regel, welche die Sonnenstrahlen im Bogen am Himmel, den man "Iris" nennt, befolgen ...

Art. 186

Es bleibt uns noch eine zweite Regel zu erwähnen, die nicht darauf ausgeht, den Farben an sich zu höherer Schönheit zu verhelfen, als sie schon von Natur haben, sondern zu bewirken, daß sie durch ihre Gesellschaft einander Anmut verleihen, wie z.B. das Grün dem Rot und Rot dem Grün und Grün dem Blau. Es gibt da auch noch sonst eine Regel, die unholde Gesellschaft erzeugt, wie die des Azurblaues mit Gelb, das zu Weiß verblast, oder Azurblau mit Weiß und ähnlichen, die anderorts genannt werden.


 

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Art. 255
Von der wahren Farbe

Die wahre Farbe eines jeglichen Körpers wird sich an der Stelle zeigen, die weder von irgendeiner Art von Schatten noch, bei polierten Körpern, von derem gespiegelten Glanze eingenommen wird. (Roter und gelber Umhang, Bereiche ohne Schatten)

ALBRECHT DUERER - Beweinung Christi

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Art. 254
Von Farben

Unter gleich vollkommenen Farben wird sich diejenige als die vorzüglichere aufweisen, die in Gesellschaft ihres direkten Kontrastes gesehen wird. Jede Farbe erscheint besser inmitten ihres Kontrastes, als inmitten ihres Gleichen, wie z.B. Dunkel in Hell, und Hell in Dunkel ...




 

AMBROGIO DE PREDIS - Portrait eines Jünglings

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Art. 186

Achte darauf, wenn du eine ausgezeichnete Dunkelheit zeigen willst, daß du ihr eine ausgezeichnete Helligkeit zum Vergleich gibst ...

Art. 254

... Weiß, das an Dunkel anstößt, bewirkt, dal das Dunkle schwärzer und das Weiß heller und reiner aussieht.

CARAVAGGIO - Madonna dei palafrenieri 

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Art. 254
Von Farben

Der Stoff welcher sich zwischen dem Auge und dem gesehenen Objekt befindet, verändert die Farbe des Objektes, so wie die blaue Luft die fernen Berge blau erscheinen läßt ...

Art. 449
Vom Blau, in dem sich die ferne Landschaft zeigt

Unter den vom Auge entfernten Gegenständen, seien sie von welcher Farbe sie wollen, zeigt sich derjenige am blauesten von Farbe, welcher von Natur oder zufällig der dunkelste ist ... (Weniger reflektierende Luft zwischen Objekt und Auge)



LEONARDO DA VINCI
Ausschnitt aus dem Gemälde: Madonna in der Felsengrotte (2.Fassung)

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Art. 251
Von Farben

Das Blau und das Grün sind nicht einfache Farben für sich. Denn das Blau setzt sich aus Licht und Finsternis zusammen, wie das Blau der Luft, das aus vollkommenem Schwarz und vollkommen reinem Weiß besteht ... 

Art. 445
Vom Gegenstande, der sich von weitem zeigt

Von dunklen Gegenständen zeigt sich der jenige als der hellere, der am weitesten vom Auge entfernt ist. (Mehr Luft zwischen Auge und Objekt) Hieraus folgt umgekehrt, dass der, welcher dem Auge am nächsten steht, sich am dunkelsten zeigen wird ...

LEONARDO DA VINCI - Ausschnitt aus der Hl. Anna Selbdritt

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Zwei Bilder ohne die Wiedergabe der Luft

 

ALBRECHT ALTDORFER
Laubwald mit dem HI. Georg

   

BARTOLOMEO UND POMPEO MORGANTI
Auferweckung des Lazarus und der Erzengel Michael

 

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Der Schatten in der Malerei

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Art. 434

Die Malerei besteht aus Licht und Dunkelheit ...

 


Schwarzweiss-Zeichnungen der "Schule von Athen" von Raffael
und des "Letzten Abendmals" von Leonardo

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Art. 434

... mit den verschiedenen Arten aller einfachen und zusammengesetzten Farben zusammengemischt.





 

Die beiden farbigen Gemälde befinden sich im Vatikan, Zimmer der Signatur, und in Mailand, in der Kirche Santa Maria delle Grazie.

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Art. 407
Was ist wichtiger in einer Malerei, der Schatten- oder die Zeichnung der Linien?

Weit feineres Untersuchen und Überlegen als die Linienzeichnung erheischen in der Malerei die Schatten. Und der Beweis hierfür wird dadurch geliefert, dal man die Linien durcheien Schleier erkennen kann ... Die Schatten aber sind von dieser Möglichkeit wegen ihrer verschwommenen Grenzen ausgeschlossen, wie im Buche über Schatten und Licht erläutert wird.

SANDRO BOTTICELLI - Der Frühling

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Art. 537
Was ist Schatten und was Licht und welches hat größere Macht?

Schatten ist Entziehung von erleuchtenden Licht ... Der Schatten gehört seiner Natur nach der Finsternis an, das Licht ist von der Natur des Lichtes. Der eine verbirgt, das andere zeigt; stets sind sic einander zugestellt mit den Körpern verbunden. Und der Schatten hat größere Macht als das Licht ... das Leuchtlicht aber vermag niemals den Schatten von den Körpern zu vertreiben, von den dichten Körpern nämlich.

FRANCISCO GOYA - El hechizado por fuerza

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Art. 91
Art und Weise des Abbildens, und von einfachen wie auch zusammengesetztem Schatten

Zeichne eine Figur nicht ... im Freien ohne Sonne ... Denn das offene Freie bewirkt einen einfachen Schatten, während das einseitige Licht eines Fensters oder des Sonnenscheins aber zusammengesetztem, d.h. mit Reflex gemischten.

 

(Abb.) Bayonne, Raccolta Bonnat

LEONARDO DA VINCI - Ginevra de' Benci

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Art. 90
In
welcher Umgebung man ein Antlitz abbilden soll, um ihm Anmut von Schatten und Lichtern zu verleihen


Sehr große Anmut von Schatten und Lichtern legt sich auf die Gesichter derer, die unter den Türen dunkler Behausungen sitzen. Dann sieht das Auge des Beschauers die Schattenseite des Gesichts durch die Schattendunkelheit des erwähnten Hausraums verstärkt, und der Lichtseite des Gesichts sieht es die Helligkeit hinzugefügt, die ihr der Glanz der Luft verleiht. Vermöge dieser Steigerung von Schatten und Lichtern bekommt das Gesicht großes Relief, dazu auf der Lichtseite (oder -hälfte) fast unmerkliche Schatten, auf der Schattenseite ebenso unmerkliche Lichter. Durch solche Darstellung und Steigerung von Schatten und Lichtern gewinnt das Antlitz sehr an Schönheit.

FRANCESCO MELZI - Flora

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Art. 232
Die Grade der Malerei

Es ist nicht immer gut, was schön aussieht. Das sage ich für jene Maler, die so sehr die Schönheit der Farben lieben, daß sie diesen nur ganz schwache und fast unmerkliche Schatten geben, und auch das nicht ohne Bedauern. Sie sind in diesem Irrtum gleich Rednern schöner Worte, die nichts sagen.

BEHZAD - Der Kalif und der Barbier

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Art. 461 - Von den Schattenflecken oder dem unbestimmt geformten Schattenmittelton, der an Körpern in der Entfernung zum Vorschein kommt
Die Kehle oder sonst irgendwelche Senkrechte, die einen Vorsprung über sich hat, wird dunkler sein als die senkrecht stehende Vorderseite dieses vorspringenden Teiles selbst. Dies folgt daraus, dass sich unter Körper der heller beleuchtet zeigt, der von einer größeren Menge des gemeinschaftlichen Beleuchtungslichtes gesehen wird.

  


Seite 433 - Libro di Pittura (Verlag Giunti)           

 

Florenz, Uffizien

... Was ich dir aber bezüglich der Gesichter ins Gedächtnis rufen wollte, ist, daß du bei denselben beobachtest, wie sich in verschiedenerlei Entfernungen verschiedenerlei Qualitäten von Schatten verlieren. Es behaupten sich nur die Hauptflecken ...
    

Ausschnitt aus einer russischen Ikone
aus dem 19. A
(Gesichter aus weißen und dunklen Flecken)

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Das Licht in der Malerei

 

 

Art. 221
Von der Helligkeit der Landschaften

Niemals werden es gemalte Landschaften an Farben, Lebhaftigkeit und Helligkeit der wirklichen Landschaft im Sonnenschein gleich tun, außer sie würden gleichfalls in den Sonnenschein gestellt.

 

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Gemälde von Walter Kurau, Direktor der Malschule
Kurau - Matthaes in Dresden, 1914
(beleuchtet)



(nicht beleuchtet)

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Art. 241
Von Farben

Die in Schatten sitzenden Farben werden ihrer natürlichen Schönheit in dem Grad mehr oder weniger teilhaftig sein, in dem die Dunkelheit geringer oder größer ist, in der sie sich befinden ...

 

 

Drei Studien von W. Kurau 1906 - Ostseeküste,
zu verschiedenen Tageszeiten gemalt

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Art. 244
Von Farben

Das Licht des Feuers färbt alles gelb; allein dies scheint nicht der Fall zu sein, wenn keine von der hellen Luft beleuchtete Objekte zum Vergleiche stehen...

Art. 556
Wieviel Sorten von Schatten gibt es?

Es gibt dreierlei Sorten von Licht und Schatten, ...
Die erste von ihnen entsteht von einem punktförmigen Lichte, wie die Sonne, der Mond oder eine Lichtflamme es ist. Die zweite kommt von einer Tür oder einem Fenster oder von sonst einer Öffnung, durch die man ein großes Stück Himmel sieht. Die dritte entsteht von universellem Lichte, wie es unsere Lufthemisphäre ohne Sonne erzeugt.
(Seite 68, Ginevra de’ Benci)

PISANELLO - Vision des Hl. Eustachius

62

 

Art. 244

... wenn man in einem dunklen Zimmer durch einen Spalt die Luft auf einen Gegenstand scheinen läßt und durch einen anderen Spalt ein Kerzenlicht ...
 

 

REMBRANT VAN RIJN Christus und die Ehebrecherin

63



 

EIN VERSUCH, DIE GEDANKEN LEONARDOS, UNTER VORBEHALT, AUF DIE MODERNE MALEREI ANZUWENDEN

Art. 63
Art und Weise, den Geist des Malers zu verschiedenerlei Erfindungen zu mehren und anzuregen

... Achte diese meine Meinung nicht gering, in der ich dir rate, es möge dir nicht mäßig erscheinen, manchmal stehen zu bleiben und auf die Mauerflecken hinzusehen oder in die Feuer, in die Wolken, oder in dem Schlamm und auf andere solche Stellen; du wirst ... sehr wunderbare Erscheinungen in ihnen entdecken ... die angetan sind, dir Ehre zu bringen. Durch verworrene und unbestimmte Dinge wird nämlich der Geist zu neuen Erfindungen erweckt.
Sorge aber vorher, daß du alle die Gliedmaßen der Dinge, die du vorstellen willst, gut zu machen verstehst ...
(Siehe Seite 65)

64

 

Art. 35
Vom Bildhauer und Maler

... Dagegen sind derartige Erfindungen bei denjenigen zu tadeln, die ohne dieselben nicht abzuzeichnen und auch nicht mit ihrem Geist theoretisch zu überlegen verstehen. Denn auch solcherlei Faulheit werden sie zu Zerstörung ihres Talentes und wissen ohne jene Hilfsmittel niemals etwas Gutes fertig bringen. Sie sind denn auch stets arm und erbärmlich in Erfindungen und Komposition von Historien, worin das Endziel der in Frage stehenden Wissenschaft liegt, wie seinesorts auseinandergesetzt werden soll.

 

 

 

Mit großem Können 1895 von
PABLO PICASSO
angefertigte Zeichnung

 

PABLO PICASSO
Alter Herr im Sitzen (1970)

65



 

DIE LINIENZÜGE IN MALEREI UND SKULPTUR

Die Gesichter

Votivkopf - Süditalien, 3. - 2. Jh. v. Chr.

66

 

Art. 287
Von der Schönheit der Gesichter

Man soll keine hartgeschnittenen Muskeln vorzeigen, sondern es mögen sanfte Lichter unmerklich in wohlgefällige und angenehme Schatten auslaufen; dieses verleiht Grazie und Formenschönheit.

 

Parma, Galleria Nazionale

67



 

Art. 281
Von den Bewegungen des Gesichtes

Der Bewegungen der Gesichtes ... sind mancherlei. Die ersten unter ihnen sind: Lachen, Weinen ... Lachen und Weinen, daß sie einander im Zuge des Mundes und der Wangen ... äußerst ähnlich sehen und sich nur durch das verschiedene Verhalten der Augenbrauen und des Zwischenraumes derselben voneinanderunterscheiden ...

 

Windsor, Royal Library

68

 

Art. 288
Von Wahrsagerei aus Gesichtszügen und den Linien der Hände


... Es ist wohl war, die Züge des Gesichtes zeigen uns zum Teil die Natur der Menschen, ihre Laster und ihre ... Gemütslage. Aber die Linien, die zwischen Wangen und Lippen oder den Nasenflügeln und der Nase oder um die Augenhölen herum erscheinen, sind sehr deutlich ausgeprägt bei lustigen Leuten, die oft lachen ...
 

Budapest, Szépmüvészeti Muzeum

69



 

Art. 288

... Und diejenigen, bei denen diese Linien nicht stark gezeichnet sind, sind Leute, die das Nachdenken betreiben ...

 

Windsor, Royal Library

70

 

Art. 288

... So sind die, deren Gesichtsteile stark ausladen und tief markiert sind, viehische und zum Zorn geneigte Menschen von wenig Vernunft und die, welche zwischen den Augenbraunen tiefe Falten haben, sind zornig ...

 

Windsor, Royal Library

71



 

Art. 288

... sowie die, deren Stirn in die Quere tief liniierte Furchen zeigt, an geheimem oder offenbarem Jammer reiche Leute sein werden. Und so kann man ähnliches aus noch vielen Teilen schließen ...

 

 

 

Anatomie - Notizbuch V

72

 

Art. 282
Von den Bewegungen des Menschen im Antlitz

Die Seelenzustände bewegen das Antlitz des Menschen in verschiedenerlei Weisen. Da ist einer der lacht, ein anderer weint, einige freuen sich, andere sind bekümmert; die zeigen Zorn, jene Mitgefühl, der bewundert, der andere steht entsetzt, die sehen dumm und albern drein, jene gedankenvoll und vorschaulich. Und durch (alle) diese Seelenzustände müssen die Hände und so die ganze Person in Übereinstimmung mit dem Gesicht versetzt werden.

Venedig, Galleria dell'Accademia

73



 

Art. 285
Wie man ein Bildnis eines Menschen in Profil macht

Für diesen Fall muß man sich die verschiedenen Hauptmöglichkeiten, nach denen das Profil der vier verschiedenen Gesichtsteile: Nase, Mund, Kinn und Stirn, gestaltet sein kann, ins Gedächtnis prägen. Fangen wir bei der Nase an. Es gibt Nasen von drei Sorten, nämlich: die gerade, die eingebogene, die gekrümmte. Von der geraden gibt es nur vier Abarten: die lange, die kurze, die spitz hervorragende, die mit der Spitze wenig hervorragende. Von eingebogenen Nasen gibt es drei Sorten: die eine Sorte hat die Einbiegung obern, die andere in der Mitte, die dritte am unteren Ende. Die gekrümmten Nasen variieren ebenso in dreierlei Art: einige haben den Buckel oben, andere in der Mitte, noch andere am unteren Ende. Die Ausladungen, die den Nasenbuckel in die Mitte nehmen, variieren auch in dreierlei Art: entweder sie sind gerade oder einander ausgebogen.

Seite 155 - Traktat von der Malerei (Verlag Neri Pozza)

74

 

Die Kleider

75



 

Art. 517
Von der Gewandumhüllung der Figuren

Den Gewändern, welche die Figuren umhüllen, muß man ansehen ansehen, daß die Figuren wirklich darinnenstecken. Mit bündigem Faltengang der Hülle umschreibst und zeigst du die Stellung und Bewegung der Figur und meidest die Verworrenheit vieler Falten, sonderlich über allen Erhabenheiten, damit diese deutlich werden.

Holzfigur England, Mitte 19 Jh.

76

 

Art. 519
Wie man die Figuren mit Zierlichkeit bekleidet

Deine Gewänder pflegst du stellenweise an die Figur anliegend zu machen; hier zeigst du, wie die Figur sich bewegt. Und die Gewandteile, die nebenaus zu stehen kommen, die lasse zierlich und leicht flattern...

London, British Museum

77



 

Art. 522
Von den Kleidungsstücken

Der Faltenwurf der Kleidungsstücke muss, vermöge der verschiedenen Qualität der Kleider, in mancherlei Art verschieden gemacht werden. Ein dicker und locker gewebter Stoff nämlich macht rohrnudelartige, vereinzelte und lockere Falten, ...

... und ist der Stoff von mittlerer Dicke und dicht gewebt oder starr, so wird er flächige Falten mit kleinen Winkeln und Ecken werfen. Vor allem erinnere ich dich, dass du bei jeder Qualität von Stoff die Falten in der Mitte zwischen der einen und anderen Umbrechung breit, schmal aber an den Seiten machst, und die geringste Breite sei mitten in der Rundhöhlung der Faltentiefe.

Art. 521
Von der Art und Weise, die Figuren zu bekleiden

Achte, dass du deine Figuren dem Anstand gemäß bekleidest, wie es sich für ihren Rang und ihr Alter schickt. Vor allem anderen sieh darauf, dass die Gewänder die Bewegung, d.h. die Gliedmaßen, nicht verstecken, und dass diese Gliedmaßen nicht von den Falten, noch auch von den Schatten der Gewänder durchschnitten werden. Ahme, soviel du nur kannst, die Griechen und Lateiner nach in ihrer Art, die Gliedmaßen sehen zu lassen, wenn der Wind die Gewänder an dieselben anlegt. Und mache wenig Falten; nur bei alten, in lange Gewänder gehüllten und mit Ansehen und Würde ausgestatteten Männern machst du deren sehr viele. (Siehe Seite 92)

78

 

 

Paris
 Louvre Museum

 

     

Paris
Louvre Museum

 

79



 

Art. 525
Von der Natur der Zeugfalten

... Sei zum Beispiel a b c die oben erwähnte Zeugfalte, a und c seien die Stellen, wo sich das Tuch umbiegt und zusammengestaucht wird. Ich sagte im Vordersatz, dasselbe werde an der Stelle, die am weitesten von den zusammengekniffenen Enden entfernt ist, am meisten zu seiner ersten, ihm von Natur eigenen Lage zurückkehren. Da also die Stelle b am weitesten von a und c entfernt ist, so wird hier die Falte a b c breiter als irgend sonstwo sein.

Seite 357 -  Libro della Pittura (Verlag Giunti)

 

 

 

Der Artikel 525 wurde unter vielen anderen ausgewählt, um die strenge Anwendung der Philosophie Leonardos auch bei den Einzelheiten aufzuzeigen.

80

 

DIE BEWEGUNGEN
IN MALEREI UND BILDHAUEREI

 

 

 

 

81



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aphrodite beim Anziehen einer Sandale.
Griechenland
2. Jh. v. Chr.
H 55 cm

Art. 109
Figur und deren Einteilung

Die Figur der Körper zerfällt wieder in zwei Teile, nämlich in: Verhältnismäßigkeit der Teile untereinander und daß sie dem Ganzen entsprechen, - und in Bewegung, die zu dem Gemütszustand des lebenden Dinges, das sich bewegt, paßt.

82

 
 

Art. 266
Von den allgemeinen Maßen der Körper

Ich sage, daß die allgemeinen Maße in den Längen der Figuren beobachtet werden müssen, nicht aber in den Breiten ...
... Und wolltest du dennoch deine Figuren sämtlich nach einem Maße (gleiche Längen) anfertigen, so wisse, daß man sie eine von der anderen nicht auseinanderkennen wird, was man in der Natur nicht sieht.

Anatomie-Notizbuch VI

83



 

Art. 259
Von den Veränderungen der Maße des Menschen durch die Bewegung nach verschiedenen Seiten

Es verändern sich die Mal  des Menschen an jedem Gliede, je nachdem dasselbe mehr oder weniger oder nach verschiedenen Seiten hin gebeut wird. Und zwar verkürzen oder verlängern sie sich auf der einen Seite des Gliedes in dem Verhältnis, in dem sie auf der anderen länger oder kürzer werden.

Windsor, Royal Library

84

 

Art. 260
Von den Veränderungen der Maße  des Menschen von dessen Geburt an bis zum Ende des Wachstumes

In der ersten Kindheit des Menschen ist die Schulterbreite gleich der Gesichtslänge, fernerhin gleich dem Raume von der Schulter bis zum Ellenbogen ... Hat aber der Mensch das äußerste Maß seiner Größe erreicht, so hat jede der genannten Erstreckungen ihre Länge verdoppelt, ausgenommen die Gesichtslänge, welche samt der Größe des ganzen Hauptes nur geringe Veränderungen erleidet. Daher hat ein ausgewachsener und wohlproportionierter Mensch im ganzen zehn Gesichtslängen; seine Schulterbreite beträgt zwei, und so jede der obenerwähnten Längen zwei Gesichtslängen ...

VERROCCHIO - Madonna mit Kind

85



 

Art. 261
Wie die kleinen Kinder die Dickenverhältnisse der Gelenke umgekehrt wie die Erwachsenen haben

Die kleinen Kinder haben alle Gelenke dünn, und die Räume von einem Gelenk zum anderen sind dick bei ihnen. Dies kommt daher, dal an den Gelenken die Haut für sich allein ist und ohne andere Fleischanschwellung ...
... An den Gelenkansätzen aber, wo nichts ist als die knorpelige und sehnige Haut, kann nichts abmagern und folglich nichts dünner werden. Und dies ist der Grund, aus dem die Kinder an den Gelenkansätzen dünn und inmitten derselben dick sind, wie man es an ihren dünnen, ausgehöhlten, spitz zulaufenden Finger-, Arm­ und Schultergelenken sieht ...
(Siehe Holzputten am Eingang)

London, British Museum

86

 

Art. 430
Von den Körpern, die sich von selbst schnell oder langsam fortbewegen

Ein Körper, der sich von selbst fortbewegt, wird dies um so schneller tun, je weiter sich das Zentrum seiner Schwere vom Zentrum seiner Stütze entfernt ...

 


 

Florenz, Uffizien

87



 

Art. 393
Von den vierfüßigen Tieren und wie sie sich bewegen

Bei den vierfüßigen Tieren zeigen sich die größten Höhenmaße ihres Körpers voneinander abweichender, wenn die Tiere gehen, als wenn sie feststehen ... Dies rührt von der schrägen Stellung der Beine her, welche die Erde berühren. Dieselben heben den Körper des Tieres da in die Höhe, wo sie ihre schräge Stellung aufgeben und sich senkrecht auf den Boden stellen.



Windsor, Royal Library

88

 

Art. 290
Von den Gebärden der Figuren

Mache die Figuren in solchen Gebärden, daß diese zur Genüge zeigen, was die Figur im Sinne hat. Wo nicht, so ist deine Kunst nicht lobenswert.

 

 



Windsor, Royal Library - Paris, Sammlung Bonnard

89



 

Art. 315
Von der Senkellinie der Figuren

Ruht eine Figur auf dem einen Fuße, so wird die Schulter der Standseite stets niedriger als die andere, und die Halsgrube wird sich mitten über dem Standbeine befinden ... (siehe große Holzfigur)

 







 

Siehe Fußnote auf Seite 31

90

 

91



 

Art. 295
Von Bewegungen, die für Menschen, je nach den verschiedenen Lebensalter, die richtigen sind

Die richtigen zukömmlichen Bewegungen werden je nach dem Alter, der Lebenskraft oder dem Wohlstande und der Würde dessen, der sie ausführt, von größer oder geringerer Lebhaftigkeit oder Würdigkeit sein, d.h. es wird weder die Bewegung eines Greises, noch die eines Kindes so flink sein, wie die eines erwachsenen Buben ... (siehe Figurengruppen aus Keramik, S. 91)



Londra, British Museum

92

 

Art. 274
Von den kraftvollen Bewegungen der menschlichen Gliedmaßen

Der Arm wird von kraftvollerer und weiter auslangender Bewegung sein, der, nachdem er sich aus seiner natürlichen Lage herausbewegt hat, der mächtigsten Beihilfe der übrigen Glieder teilhaftig wird, ihn nach dem Ort zu, wohin er sich bewegen will, wieder zurückzuziehen; wie z.B. der Mann a, der den Arm zuerst ausholend nach c zurückzieht und ihn dann nach der entgegengesetzten Stelle führt, indem er sich mit seiner ganzen Person nach b bewegt. (Siehe Kriegerfigur)



Siehe Fußnote auf Seite 31

 

93



 

Art. 498
Regel

Der Nabel befindet sich stets in der Mittellinie des Gewichtes, das sich von ihm aufwärts befindet ... Dies zeigt sich beim Ausstrecken des Armes ... Daher wirft man mit Notwendigkeit so viel Gewicht auf der anderen Seite vom Nabel aus, als das zufällige Gewicht der Faust ausmacht. Und den Absatz auf jener Seite muß man heben.

Siehe Fußnote auf Seite 31

94

 

Art. 425
Von der Figur, die gegen den Wind geht

Eine Figur, die sich im Winde bewegt, in welcher Richtung es auch sei, wird auf keinen Fall das Zentrum ihrer Schwere in seiner gebührenden Stellung über dem Zentrum ihres Stützfußes wahren.

 

 

Siehe Fußnote auf Seite 31

95



 

Art. 291
Von Stellung

Die Halsgrube steht senkrecht über dem Standfuße. Und reckt man einen Arm nach vorn, so tritt die Halsgrube über den Fuß hinaus. Wird aber das eine Bein auch hinten gestreckt, so tritt die Halsgrube nach vorn hervor, und so wechselt sie bei jeder neuen Stellung.

Dresden, C R

96

 

Art. 303
Gegenrede

... so sei es nicht notwendig, daß ein feststehender ... Mensch die erwähnte Abwagung der Glieder über dem Zentrum der Schwere, welches das Gewicht des Ganzen stützt, unausgesetzt zur Anwendung bringe ... Zuweilen neige er sich nämlich, auf einem Fuße stehend ... und manchmal lade er einen Teil seines Gewichtes auf das Bein ab, das nicht gerade steht, sondern im Knie eingebogen ist, wie sich dies bei den beiden Figuren b und c zeigt . Die Antwort hierauf lautet: Das, was bei der Figur e die Schulter nicht ausführt, geschieht in der Hüfte ...

Sie Fußnote auf Seite 31

97



 

Art. 306
Vom Menschen, der Gewicht auf seinen Schultern trägt

Die Schulter des Mannes, die das Gewicht trägt, ist stets höher als die unbelastete ... so viel von dem natürlichen Gewichte des Mannes sich auf die eine Seite hinwirft, als die Quantität des zufälligen Gewichtes ausmacht, die auf der entgegengesetzten Seite hinzukam. Dies kann nun nicht geschehen, ohne dal der Mann sich ... einbiegt ...

 

 

Sie Fußnote auf Seite 31

98

 

Art. 310
Von den Einbiegen und Wendungen des Menschen

Der Mensch wird auf der Seite, die er einbiegt, so viel kürzer, als er auf der entgegengesetzten zunimmt ...

Sie Fußnote auf Seite 31

99



 

DAS BASRELIEF

Art. 36
Vergleichung der Malerei mit der Bildhauerei

... Der Bildhauer sagt, das Basrelief sei eine Art von Malerei. Dies wäre zum Teil annehmbar, was die Zeichnung anlangt; denn diese wird der Perspektive teilhaftig. Was aber Schatten und Lichter betrifft, so ist das Relief falsch, sowohl als Skulptur, wie auch als Malerei. Denn die Schatten des Basreliefs entsprechen nicht der Natur derer an der Rundskulptur ... die haben ... nicht die Dunkelheit der entsprechenden Schatten in Gemaltem oder in Rundskulptur. Aber dieser Kunstzweig ist überhaupt ein Mischding zwischen Malerei und Skulptur...

VERROCCHIO - Ein Engel

100

 

Art. 33
Der Maler und der Bildhauer

Das Basrelief ist aber, was scharfsinnige Überlegung anlangt, der runden Skulptur ohne Vergleich überlegen und nährt sich an Grafie der Spekulation der Malerei einigermaßen; denn es benötigt der Perspektive; die Rundskulptur dagegen macht sich mit dieser Kenntnis nichts zu schaffen; denn sie bringt nichts zur Ausführung als die (realen) Maße, einfach, wie sie dieselben am Lebenden vorfand. Und was das anlangt, so erlernt der Maler rascher die Bildhauerei als ein Bildhauer die Malerei.

VERROCCHIO - Heilige Maria mit Christkind

101



 

Das Licht erzeugt falsche Schatten
auf der glatten Oberflüche des weißen Steins

102

 

Art. 33

... Um aber auf das, was ich vom Basrelief bemerken wollte, zurückzukommen, so sage ich, dasselbe nimmt weniger Körperanstrengung in Anspruch als die Rundskulptur, dagegen weit mehr Überlegung und Aufmerksamkeit; denn man hat dabei das Verhältnis der Abstände in Betracht zu ziehen, die sich zwischen den vordersten Partien der Körper und den weiter zurückstehenden befinden, und so zwischen den zweit- und drittfolgenden usw. Wirst du, Perspektivkundiger, diese Dinge genau ansehen, so wirst du kein einziges Werk in Basrelief finden, das nicht voller Fehler wäre, was das stärkere oder schwächere Relief anlangt, das die dem Auge näheren oder weniger nahen Körperpartien richtigerweise haben müssen. In der Rundskulptur wird dies nie als Fehler vorkommen können; denn die Natur selbst kommt dem Bildhauer zu Hilfe, und wer ganz Rundes arbeitet, ist daher dieser sehr großen Schwierigkeit ledig ...


a)
richtige Stellung der Figur
b)
falsche Stellung

   
Basrelief aus Terracotta und Gips

103



 

DIE SCULPTUR
Der Bildhauer

 

 

Art. 35
Vom Bildhauer und Maler

Dem Bildhauer kostet Seine Kunst mehr körperliche Anstrengung als dem Maler, d.h. sie ist handwerksmäßiger und ist von geringerer Anstrengung für den Geist: sie hat nämlich im Vergleich zur Malerei eine sehr wenig umfangreiche Theorie; denn der Bildhauer nimmt nur weg, und der Maler trägt fortwährend auf; der Bildhauer nimmt von einem einzigen Material weg, und der Maler setzt in verschiedenerlei Material unaufhörlich hin ...

104

 

Art. 36
Vergleichung der Malerei mit der Bildhauerei

... Der Bildhauer sagt, er sei es, der vermöge seines Wegnehmens von dem behauenen Stoff das Hell und Dunkel entstehen lasse. Man erwidert, nicht er, sondern die Natur bringe den Schatten hervor...

... rühme dich Bildhauer der Werke eines anderen. Du hast an den Längen und Dicken der Gliedmaßen eines jeden Körpers genug und an deren Verhältnissen; das ist deine ganze Kunst, und der Rest, der alles ist, wird von der Natur, der Meistering, die größer als du, hervorgebracht ...
 


Venedig, Galleria dell'Accademia

105



 
Turin,
Biblioteca Reale

Manuskript H
Paris, Institut de France

 

Art. 32
Unterschied zwischen der Malerei und der Bildhauerei

Es sagt der Bildhauer, daß, wenn er zuviel wegschlägt, er es nicht wieder ansetzen kann ... Aber von solchen rede ich gar nicht; das sind keine Meister, sondern Marmorverpfuscher. Die Meister vertrauen sich nicht blindlings dem Urteil des Auges an; denn es täuscht stets ... die Bildhauer regulieren sich unausgesetzt durch Kenntnisnahme der Maße einer jeden Länge, Dicke und Breite der Gliedmaßen, und indem sie so tun, hauen sie nicht mehr weg, als recht ist...

106

 

Art. 500
Von der Statue (die Ratschläge Leonardos, um fehlerlos Marmor zu bearbeiten)

Willst du eine Figur in Marmor machen, so mache dafür zuerst eine von Ton. Nachdem du dieselbe beendigt und getrocknet hast, stelle sie in eine Kiste, welche, wenn du die Tonfigur wieder herausgenommen, stark und groß genug sei, den Marmor auszunehmen, in dem du die Figur getreu nach dem Vorbild der Tonfigur ausfindig machen willst. Hast du nun die Tonfigur in diese Kiste gestellt, so habe Stöckchen, die genau in die kleinen Löcher passen (die durch die Wände der Kiste hindurchbohrst) und so (lang sind), daß sie, durch die Löcher hindurchgesteckt, ihnen mit ihrem weißgelassenen Stück die Figur an verschiedenen Stellen berühren. Das Ende von den Stäbchen, das außerhalb der Kiste hervorstehen bleibt, streichst du schwarz an, und machst an jedes Stäbchen und zugehörige Loch ein Merkzeichen, derart, daß diese Merkzeichen des bequemen Gebrauches halber genau aneinanderpassen. Dann nimmst du die Tonfigur aus der Kiste heraus und tust dein Stück Marmor hinein. Und so viel nimmt (oder meißelst) du vom Marmor weg, daß zuletzt alle deine Stäbchen, jedes bis an sein Merkzeichen, durch ihre Löcher in der Kiste (den Marmor berührend) verschwinden. Und damit du dies besser bewerkstelligen (und besser arbeiten) könnest, so richte die Kiste so ein, daß du sie ganz in die Höhe und abheben kannst, der Boden aber immer unter dem Marmor fest bleibe. Auf diese Art kannst du dann mit deinen Eisen mit Leichtigkeit wegmeißeln.

107



 

Art. 32
Unterschied zwischen der Malerei und der Bildhauerei

... Der Bildhauer hat nun auch beim Zuendeführen seiner Werke an einer jeden runden Figur viele Umrisse zu machen ...

Art. 37
Entschuldigung des Bildhauers

... Der Bildhauer sagt, er könne keine Einzelfigur machen, ohne daß er zahllose mache, der unendlich vielen Grenzen wegen, die stetige Größen haben (Blickwinkel). Man antwortet: Die unendlich vielen Umrisse solch einer Figur reduzieren sich auf zwei halbe Figuren, und wenn dieselben die rechten Verhältnisse haben, so bilden sie zusammen eine runde ..

Art. 33
Der Maler und der Bildhauer

Der Bildhauer, indem er eine runde Figur macht, macht nur zwei Figuren und nicht etwa zahllose, der zahllosen Ansichten halbar, von denen aus die Figur gesehen werden kann; von diesen Figuren ist die eine von vorn gesehen und die andere von hinten. Und daß dem so sei, erweist sich daraus, daß, wenn du eine Figur in halberhabener Arbeit machst, von vorn gesehen ... und ganz das gleiche tritt ein bei einer Figur von hinten ...

108

 


Greif aus Ton, aus zwei halben Figuren zusammengesetzt



von E. Cooper veröffentlichter Druck aus dem Codex Huyges - London, 1721

109



 

Licht und Schatten
in der Bildhauerei



Ein von Leonardo gezeichneter Projektor
Cod.
Atlant. fol. 10 recto-A

Art. 535
Woher kommt der Schatten?

Der Schatten leitet sich her von zwei einander unähnlichen Dingen, das eine von diesen ist körperlich, das andere geistig. Das körperliche ist der dunkle, Schatten tragende und verursachende Körper, das geistige ist das mitgeteilte Licht ...

Art. 407
Was ist wichtiger in einer Malerei, deren Schatten- oder Linienzeichnung?

Weit ferneres Untersuchen und Oberlegen als die Linienzeichnung erheischen in der Malerei die Schatten...

110

 

Interaktive Station zur Darstellung verschiedenartigen Wirkungen von Licht und Schatten

Die ausgestellten Figuren sind Kopien der berühmten EBE von Thorwaldsen.
Die Originalstatue aus Terracotta, die dem Künstler während seines Studienaufenthalts in Rom (1747 - 1810) als Modell für Seine Ebe diente, ist, wie alle anderen Ausstellungsgegenstände, Eigentum der Stiftung.

 

111



 

Art. 541
Von zwei Gattungen von Schatten, und in wieviel Abteilungen sie sich trennen

Die Schattenbilder und -gattungen zerfallen in zwei Abteilungen; die eine davon heißt man einfach, die andere zusammengesetzt. Einfach ist ein Schatten, der von einem einzigen Licht und von einem einzigen Körper verursacht wird...

einfacher Schatten

112

 

Art. 541

... Zusammengesetzt ist der, welcher durch mehrere Lichter auf dem gleichen Körper ... entsteht.
 



zusammengesetzter Schatten

113



 

Art. 541

Der einfache Schatten teilt sich wieder in zwei Abteilungen, nämlich in den Primitiv- und in den abgeleiteten Schatten. Primitiv ist derjenige, der an die Flächen des schattentragenden Körpers selbst gebunden ist. Abgeleitet ist jener Schatten, der vom genannten Körper ausgeht, durch die Luft läuft und wenn er Widerstand findet, an dem Fleck, auf den er hinstößt, Halt macht ...

Die vergoldete Figur reflektiert warmtöniges Licht
auf die linke Seite der Statue aus Marmor.

114

 

Art. 38
Wie die Skulptur an die Beleuchtung gebunden ist, und die Malerei nicht

Wenn ein Bildhauerwerk das Licht von unten her bekommt, so wird es wie etwas Unförmliches und Befremdendes aussehen. Dies tritt bei einer Malerei nicht ein; dieselbe führt alles, was zu ihr gehört, mit sich.




115



 

Art. 760
Von den Glanzlichtern der dunklen Körper

Unter den Glanzlichtern an Körpern, die von gleicher Glätte sind, wird dasjenige, das auf der schwärzesten Oberfläche entsteht, die meiste Verschiedenheit von seinem umgebenden Felde zeigen. Dies kommt daher, daß die Glanzlichter auf polierten Oberflächen entstehen, die fast von der Natur der Spiegel sind. Alle Spiegel strahlen das zum Auge wieder, was sie von ihrem Gegenüber empfangen...

Art. 766
Welcher Körper Licht ist ohne Glanz?

Die Körper von dichter und rauher Oberfläche erzeugen nirgendwo an ihrer beleuchteten Seite Glanz.

   Statue aus Gold   

Statue aus Zement

116

 

Art. 418
Vom Unterschied der Figuren in Schatten und Lichtern, je nachdem sie in verschiedenartiger Lokalität stehen (interaktive Station)

Grolle Lichter (Universallicht) ... wie z.B. die Sonne inmitten der Luft ... rufen auf den schattentragenden Körpern kleine Schatten mit undeutlich verschwinnenden Grenzen hervor ..
 

117



 

Art. 418

Kleine Lichter bewirken große und deutlich abgegrenzte Schatten auf den mit Schatten versehenen Körpern...

 

 

118

 

DIE EWICHKEIT

DER MALEREI UND DER BILDHAUEREI

 

119



 

Art. 33
Der Maler und der Bildhauer

Es sagt der Bildhauer, Seine Kunst sei vornehmer als die Malerei, weil dauerhafter; denn sie hat weniger von Feuchtigkeit, von Feuer, Hitze und Kälte zu fürchten als die Malerei...

 

 

Ausschnitt aus dem "Letzten Abendmahl" von Leonardo. Sand und andere Mineralien der Wand bröckeln bei Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen ab.

120

 

Leonardos "Mona Lisa", auf Leinwand gemalt.
Der Elastizitätsverlust der Farbschicht und die Bewegungen
der Leimwand erzeugten tiefe Risse (Craquelure).

 

121



 

Art. 33
Der Maler und der Bildhauer

... Dem antwortet man, daß das den Rang des Bildhauers nicht erhöht; denn selbige Dauerhaftigkeit kommt vom Material her und nicht vom Künstler. Auch kann diese Art von Vornehmheit der Malerei gleichfalls gegeben werden, wenn man mit Glasfarben auf Metall oder gebrannten Ton malt ...
... Es ist wahr, daß dieselbe der Beschädigung durch Stoß und Bruch ausgesetzt ist ...

Teller, archäologischer Fund, Ton mit schwarzen Figuren Kreta
etwa 4000 Jahre alt (zusammengesetzt)


Rotfigürlicher
apulischer Krater
etwa 2300 Jahre alt
(restauriert)

 

 

Dekorierter Teller
(restauriert)
etwa 600 Jahre alt

122

 

Art. 34
Wie die Skulptur geringeren Geistes ist als die Malerei ...

... Aber auch der Bildhauer kann, wenn er in Ton oder Wachs arbeitet, wegnehmen und zusetzten, und wenn es fertig, gießt er's mit Leichtigkeit in Bronze. Dies ist die letzte Operation, welche die Skulptur hat, und auch die dauerhafteste; denn das nur in Marmor Ausgeführte ist der Zerstörung ausgesetzt, was bei der Bronze nicht der Fall ...

 

 

 


Büste eines römischen Kaisers aus Marmor und Bronze
mit sichtbarer Restaurierung des Marmors. (17. Jhd)

123



 

Art. 34
Wie die Skulptur geringeren Geistes ist als die Malerei ...

... Und bleibt eine Bronze schwarz und braun (oder grün) ein solches Bils ist voll mancherlei und anmutiger Farben und hat unendliche Mannigfaltigkeit ... Wollte einer nur von der Malerei auf Holztafeln (oder auf Mauern) sprechen, so würde ich mich bezüglich dessen gleichfalls mit der Bildhauerei verständigen, und zwar dahin: Wie die Malerei schöner, und von mehr Phantasie und reichhaltiger ist, so ist die Bildhauerei dauerhafter ... Dem Bildhauer, der sagt, seine Wissenschaft sei beständiger als die Malerei, erwidert man, diese Beständigkeit sei Verdienst des plastischen Materiale und nicht des Bildhauers ...

Buddha-Büste aus Bronze, archäologischer Fund
Thailand, etwa 900 Jahre alt

124

 

Art. 10
Vom Dichter und vom Maler

Die Malerei dient einem vornehmeren Sinn als die Poesie, und stellt die Werke der Natur mit mehr Wahrheit das als der Dichter; auch sind die Werke der Natur wiet höher von Rang als Worte, die des Menschen Werke sind ... Und willst du Dichter bloß aus Mitteln deines Berufes Werke der Natur beschreiben, indem du verschiedenerlei Lage und Form von allerlei Dingen vorstellst, so wirst du vom Maler in unendlichem Maße an Kraftvermögen übertroffen ...

Art. 17
Welcher Unterschied von der Malerei zur Dichtkunst ist

Eine Malerei ist ein stummes Gedicht, und ein Gedicht eine blinde Malerei, und die eine wie das andere geht darauf aus, die Natur nachzuahmen, soweit es in ihren Kräften liegt ...

 

 

 

 

 

Einige Originalmanuskripte von Leonardo da Vinci (Reproduktionen) vor dem Stadtplan von Mailand des 16. Jh.
In dieser Stadt verbrachte Leonardo die aktivsten und fruchtbarsten zwanzig Jahre seines Lebens

125

 

Andere Veröffentlichungen des Museo d'Arte e Scienza:

Mit diesem Nachschlagewerk haben Sie stets einen zuverlässigen und unbestechlichen Experten an Ihrer Seite, der auf Ihre Fragen bezüglich Alter und Echtheit eines Sie interessierenden Objektes eine klare, leicht verständliche und gut fundierte Antwort bereit hat. (Drei Bände, illustriert mit über 2000 Farbfotos von Einzelheiten und Vergrößerungen, und kurzen Erklärungstexten).

Für weitere Auskünfte: www.ArtandScienceHandbook.com

 

     
Autor: Gottfried Matthaes

Gottfried Matthaes, in Dresden geboren, entstammt einer Familie, die der Kunst in alter Tradition verbunden war. Angeregt durch seinen Beruf als Physiker begann er sich ab 1960 mit der Erforschung von wissenschaftlichen und praktischen Methoden zur Echtheitserkennung von Kunstobjekten zu befassen. 1990 gründete er in Mailand das Museum des Kunstsammlers, heute Museo d'Arte e Scienza und das dazugehörige wissenschaftliche Labor. Diese Einrichtung, die bis heute weltweit einzigartig bleibt, beherbergt fast alle im Handbuch abgebildeten Objekte. 1993 entdeckte und patentierte G. M. die Anwendung der IR-Spektroskopie zur Altersbestimmung von Kunstobjekten aus Holz.

Inhalt:
BAND 1: Elfenbein, Gemälde, Ikonen, Teppiche, Wandteppiche, Möbel, Glas, Keramik, Wissenschaftliche Methoden
BAND 2: Papier, Bücher, Drucke, Metalle, Uhren, Stöcke, Pfeifen, Musikinstrumente, Edelsteine, Bernstein, Perlen, Emailmalerei, Puppen, Spielzeug, Fächer
BAND 3: Chinesische Kleinkünste, Ausgrabungen, Buddhistische Kunst, Afrikanische Kunst, Indonesische Kunst
Preis: Band 1 (278 Seiten) 40,00 Euro
Band 2 (128 Seiten) 30,00  Euro
Band 3 (128 Seiten) 30,00 Euro
Versandkosten sind nicht eingeschlossen.
Intern. Bestellnummer: Band 1 - 1997, Kode ISBN 978-88-900454-2-4
Band 2 - 1999, Kode ISBN
978-88-900454-3-1
Band 3 - 2000, Kode ISBN
978-88-900454-4-8
Erwerbbar:
  • in jeder Buchhandlung mit Angabe der oben erwähnten ISBN-Nummer
  • in Mailand, Museo d'Arte e Scienza
  • durch e-mail


Weitere Webseiten des "Museo d'Arte e Scienza"

www.MuseoArteScienza.com  -  Abteilungen: 6 Säle zur Echtheitserkennung von Kunst und Antiquitäten; 5 Säle über Leonardo da Vinci in Mailand und Leonardos Traktat von der Malerei; 5 Säle für Afrikanische - und Buddhistische Kunst; 2 Wissenschaftliche Laboratorien.

www.DaVinci-Leonardo.de - "Leonardo - Bürger von Mailand" - "Der Traktat von der Malerei" (illustriert).

www.AuthenticAfricanBronzesandCeramics.com - behandelt die Echtheit afrikanischer Kunstobjekte aus Bronze, Stein und Keramik. Das wissenschaftliche Laboratorium des Museo d’Arte e Scienza entwickelte Methoden, echte afrikanische Kunstobjekte von Kopien und Fälschungen zu unterscheiden.

www.ArtAndScienceHandbook.com - Das inhaltsreichste und wissenschaftlich fundierteste Nachschlagewerk zur Echtheitserkennung auf objektiver Basis bei europäischen und ausser-europäischen Antiquitäten. (540 Seiten und über 2000 Farbfotos in 3 Bänden)

www.Echtheit-von-Gemaelden.de - Informationen über die Authentizität von Modernen und Antiken Gemälden.

www.AntiqueFurnitureAuthenticity.com  - Eine Darstellung der Möglichkeiten zur Echtheitserkennung von Möbeln auf objektiver Basis.

www.Excavatedartauthenticity.com - Eine Aufstellung aller Möglichkeiten zur Echtheitserkennung ausgegrabener Objekte aus Terrakotta, Glas und Bronze des Mittelmeergebietes, Chinas und Südamerikas auf objektiver Basis.

www.Echtheit-afrikanischer-Kunst.de  - Die didaktische Abteilung des Museums "Kunst und Leben in Schwarzafrika" (5 Säle mit 360 Objekten).

www.Matthaes.org - Die Entwicklung der Stiftung Matthaes von der Eröffnung der Malschule in Dresden (1906) bis zum heutigen Museo d'Arte e Scienza.

www.KopienUndFaelschungenInDerKunst.de - Wertvolle Hinweise über die Echtheit von Antiquitäten.

www.Ivoryauthenticityandage.com - Elfenbein, Knochen und Horn können nunmehr spektroskopisch präzise erkannt und datiert werden.

www.SpectroscopyforArt.com
- Wissenschaftliche Methode zur Bestimmung des Alters und der Holzart von Kunstobjekten. Echtheitserkennung anhand von Analysen der Farben, Leime, Pigmente und anderer organischer Stoffe.

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